Über die Idee, den Stadtkern in ein „City-Outlet“ zu verwandeln, wird in Echternach schon lange diskutiert. Die Gemeinde hat bereits 1,5 Millionen Euro in das Projekt investiert. Doch ob es überhaupt Realität wird, ist fraglich. Allen voran fehlen die nötigen Geschäftsflächen.

Es ist eine touristische Führung der anderen Art. Carole Zeimetz, Gemeinderätin von Déi Gréng, begleitet Reporter.lu an einem verregneten Aprilmorgen durch die „Haler-Gaass“ in Echternach. Gleich am oberen Ende der Einkaufsstraße steht seit mehreren Jahren das ehemalige „Café St. Nicolas“ leer. Schräg gegenüber wartet auch die einstige Bäckerei „Simon“ auf einen neuen Mieter.

Diese Tendenz zieht sich durch die gesamte Straße: Geschätzt steht eines von fünf Geschäften in Echternach derzeit leer. Wenn dann doch einmal neue Mieter einziehen, sind es nur selten Einzelhändler. Oft finden sich in den Flächen im Erdgeschoss Betriebe, die nicht so recht in eine Einkaufsstraße passen wollen: eine Zahnarztpraxis, ein Nagelstudio, eine Tierarztpraxis. „Eigentlich sind wir uns in Echternach einig: Wir müssen etwas tun gegen den Leerstand. Wir fragen uns aber, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist“, sagt Carole Zeimetz.

Besagten Weg verfolgt die Stadt Echternach schon seit fast zehn Jahren. Seitdem gibt es Pläne, die Haupteinkaufsstraße und einige Nebenstraßen durch ein sogenanntes „City-Outlet“ zu beleben. Die Idee: Ein Konsortium aus internationalen Marken soll Touristen und Einheimische zum Shoppen nach Echternach locken. Vor allem Outdoor-Marken sollen angezogen werden, um dem Wandertourismus, und so auch dem Anspruch der Stadt als „Hauptstadt des Müllertals“, gerecht zu werden. Gleichzeitig soll das Outlet nicht wie üblich auf der grünen Wiese entstehen, sondern leerstehende Geschäftsflächen im Stadtzentrum nutzen.

„Leerstand ist Stillstand“

So lautet jedenfalls der Plan. Doch bis es so weit ist, sind noch einige wichtige Fragen offen. Welche Marken sind Teil des Konzepts? Wie soll die Betreiberstruktur aussehen? Steht überhaupt genug Verkaufsfläche zur Verfügung? Und nicht zuletzt: Was passiert, wenn es nicht klappt? Hat die Gemeinde einen Plan B? Denn eigentlich sollte das City-Outlet bereits dieses Jahr eröffnen, doch Ende 2023 kündigte der Schöffenrat an, dass man das Datum auf das Frühjahr 2025 verschieben würde.

Einige Tage nach dem ersten Besuch in Echternach trifft Reporter.lu Thomas Huybrecht in seinem Laden. Der Optiker aus Trier betreibt sein Geschäft seit fünf Jahren in der „Haler-Gaass“. Seine Einschätzung zum City-Outlet: „Echternach braucht ein bisschen Leben. Leerstand ist Stillstand. Deshalb kann ich der Idee schon etwas abgewinnen“, so der Geschäftsmann. Wichtig sei aber, dass „der bestehende Handel nicht darunter leidet, sondern ebenfalls profitiert“.

Ich gebe zu, dass ich in der Vergangenheit kritisch gegenüber dem Projekt war. Aber ich hatte einen Turning Point.“Carole Hartmann (DP), Bürgermeisterin

Ähnlich sieht es auch Silke Müller. Die Betreiberin eines Bekleidungsgeschäfts hat zwei Kappen auf: die der Unternehmerin und die der Vizepräsidentin des Echternacher Geschäftsverbands (UCA). In ihrem Geschäft von Reporter.lu auf das Projekt angesprochen, gibt es zunächst einen Seufzer. Zu viel sei bereits über das Thema geschrieben worden in den vergangenen Jahren. Vieles zu einseitig und vieles würde auch in den sozialen Medien schlechtgeredet. Doch eigentlich teile sie die Sichtweise von Thomas Huybrecht: Alles sei besser als der grassierende Leerstand …