Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Flucht: Nach diesem Leidensweg bat eine Minderjährige aus Guinea in Luxemburg um Schutz. Ihr Asylantrag wurde nun auch vor Gericht abgelehnt. Dabei ist die Begründung der Richter in mehrerer Hinsicht fragwürdig.

Die Bedrohung, die vom Ehemann der Antragstellerin ausgeht, müsse man „ins Verhältnis zu ihrem Verhalten“ setzen, meinen die Richter. Schließlich habe die Frau sich geweigert, im Haushalt zu helfen und Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann zu haben. Dies ist kein Zitat aus dem vorletzten Jahrhundert, sondern der Auszug aus einem Urteil des Luxemburger Verwaltungsgerichts vom Oktober 2023, mit dem der Asylantrag einer jungen Frau aus Guinea abgelehnt wurde.

Im Juli 2019 stellt die damals 15-jährige Aminata* in Luxemburg einen Antrag auf internationalen Schutz. Wenige Wochen vorher war sie aus ihrem Heimatland geflohen. Aminata erzählt, dass ihre Halbschwester von ihrem Onkel mit einem „Alten“ zwangsverheiratet wurde. Als die schwangere Schwester bei der Geburt an Komplikationen stirbt, wird sie selbst als „Ersatz“ mit eben diesem Mann verheiratet. Sie versucht zu entkommen. Laut ihren Erzählungen wird der Ehemann gewalttätig und droht unter anderem, sie erneut und weitergehend genital verstümmeln zu lassen. Ihr waren wie ihrer Schwester bereits in der Kindheit Teile der äußeren weiblichen Genitalien entfernt worden.

Eine rein „hypothetische“ Bedrohung

Die Geschehnisse werden im Asylantrag erläutert, den die damals noch Minderjährige in Luxemburg stellte. Aminata hatte kurz nach den Drohungen ihres Ehemannes die Flucht ins Ausland geschafft und war über Bekannte direkt nach Luxemburg gekommen. Doch der Antrag wurde am 10. Februar 2022 – knapp drei Jahre nach ihrer Flucht – abgelehnt. Mit ihrem Anwalt legte sie Einspruch vor dem Verwaltungsgericht ein.

Der Einspruch führte im Oktober 2023 zu besagter Feststellung des Richters: „Le tribunal relève encore que la menace brandie par le mari de la demanderesse qu’elle devrait subir une seconde excision est à mettre en perspective avec son attitude – perçue comme critiquable par son mari – visant à ne pas s’impliquer dans ce ménage, ne pas manger et refuser d’avoir des relations sexuelles avec son mari (…)“, so das Urteil vom 5. Oktober 2023 …