Mehr als ein halbes Jahr war die deutsche Kulturbranche im Lockdown. Wie haben Luxemburger Künstler in Berlin diese beispiellose Zeit erlebt? Der Musiker Pascal Karier von Say Yes Dog spricht über die Corona-Zwangspause, seine Liebe zur Musik und den Frust von Picknick-Konzerten.

Ein Montagnachmittag Ende Mai, Berlin-Kreuzberg reckt sich in Katerstimmung den Sonnenstrahlen entgegen. Der Corona-Winter war lang und nun kommt es einem am Landwehrkanal fast vor, als sei die Pandemie vorbei. Pascal Karier, safranfarbenes Shirt, Pilz-Undercut und Schnurrbart, erscheint zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort und streckt zur Begrüßung den Ellenbogen aus.

Pascal Karier ist Perkussionist und gebürtiger Luxemburger, bekannt als Schlagzeuger des Berliner Elektro-Pop-Trios Say Yes Dog. Auf seinen verdächtig gebräunten Teint angesprochen, berichtet er über eine kurz zurückliegende Workshop-Residenz in Tondela, Portugal. Diese hat er allerdings nicht mit seiner Hauptband, sondern mit seinem Live-Impro-Elektro-Projekt Hibylo absolviert. Gemeinsam schrieb er dort mit seinen Kollegen an Musik, sie feilten an Konzepten und spielten ein Konzert. Endlich.

Touren nur ohne Kompromisse

Für Musiker waren die letzten 15 Monate wahrlich keine einfache Zeit. Im Streaming-Zeitalter von YouTube, Spotify & Co. sind Konzerte für die Szene ohnehin die einzige Möglichkeit, Fan-Kontakte zu knüpfen – und neben den schwindenden CD-Verkäufen auch der einzige Weg für Bands, mit ihrer Musik Geld zu verdienen. Say Yes Dog hatten Glück – als 2019 ihr Album „Voyage“ veröffentlicht wurde, tourten sie in den Herbstmonaten durch Europa. Obwohl 2020 noch einige Termine geplant waren, hatte die Band den Großteil der Promo-Gigs schon vor dem Lockdown abgeschlossen.

Zu Beginn fand Pascal Karier die Zwangspause dann auch ziemlich angenehm. „Es war schön, mal mehr Zeit zu haben, andere Dinge zu tun und neue Musik zu schreiben“, sagt er. Ein Gefühl des Ankommens nach Jahren des Unterwegs-Seins. Aber natürlich lässt auch dieses Gefühl nach ein paar Monaten deutlich nach …