Die Gratis-Kultur ist beim Konsum von journalistischen Inhalten fest verankert. Daran tragen die traditionellen Medien zum Teil eine Mitschuld. Doch es ist nicht zu spät, auch im Netz den Weg eines qualitativen, kostenpflichtigen Journalismus zu beschreiten. Ein Kommentar.

„Guter Artikel, aber warum kann ich ihn nicht zu Ende lesen???“, „Was mich diese Paywalls langsam nerven!“, oder auch schlichter: „Ech soll dofir bezuelen? So hutt Dir den A**** op?!“ Jedes Medium, das sich auf den Weg des bezahlten Online-Journalismus begibt, trifft früher oder später auf solche oder ähnliche Reaktionen. Auch im Jahr 2019 versteht nicht jeder auf Anhieb, warum Journalismus nicht kostenlos sein kann. Warum der finanzielle Beitrag der Leser im direkten Zusammenhang mit der Qualität der Inhalte steht. Oder warum hinter jedem Artikel die Arbeit eines oder mehrerer professionellen Journalisten steckt, die leider auch nicht nur von Luft, Liebe und Überzeugung zu ihrem Beruf leben können.

Für die anhaltende Gratis-Mentalität bei manchen Lesern gibt es gute Gründe. Dazu gehört an erster Stelle, dass sie von den Medien selbst jahrelang gefördert wurde. Vor allem die Printmedien haben in der Pionierzeit des Internets nicht erkannt, dass es sich dabei nicht nur um eine spannende technologische Spielwiese handelt, sondern um eine gesellschaftliche Revolution, die ihr traditionelles Geschäftsmodell tiefgreifend verändern wird. Zeitungen und Zeitschriften setzten ihre Inhalte online, ohne dafür Geld zu verlangen. Sie gewöhnten ihre Leserschaft geradezu daran, dass online gleich gratis ist.

Die selbstverschuldete Krise der Printmedien

Im Rückblick wird erst so richtig klar, wie folgenreich diese strategische Fehleinschätzung war. Es war ungefähr so, als würde ein erfolgreicher Weinladen, der sein Produkt sonst in üblichen Glasflaschen verkauft, plötzlich das gleiche Getränk in Plastikbechern auf der Straße kostenlos verteilen. Und sich später darüber wundern, dass die früheren Käufer den Gratis-Wein dankend mitnahmen und sein Geschäft nicht mehr läuft.

Im Prinzip hat sich der Journalismus genau so verhalten. Auch in Luxemburg. Als die alteingesessenen Printmedien das Internet für sich entdeckten, programmierten sie ihre Online-Portale und veröffentlichten darauf zum Teil haargenau die gleichen Inhalte, die sie in der Zeitung kostenpflichtig anboten – und zwar gratis. Niemand schien sich die Gedanken zu machen, dass all das auf Dauer das eigene Geschäftsmodell gefährden könnte. Erst als es eigentlich schon zu spät war, also manche Verlage in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, steuerten sie gegen.

Die Printmedien haben mit ihrer fahrlässigen Gratis-Strategie im Internet selbst dazu beigetragen, dass ihnen die (zahlungswilligen) Leser davonlaufen.“

Zudem stürzten sich die beiden größten Verlagshäuser „Saint-Paul“ und „Editpress“ später in das Abenteuer der Gratis-Zeitungen. Mit „L’Essentiel“ und „Point 24“ machten sie nicht nur ihren eigenen zahlungspflichtigen Traditionstiteln Konkurrenz und begaben sich in verstärkte Abhängigkeit von der Konjunktur des Anzeigenmarktes. Sie etablierten vor allem auch die Gratis-Mentalität im Print und verstärkten damit den Effekt, dass die Leser sich an scheinbar kostenlosen Medienzugang gewöhnten …