{"id":120594,"date":"2020-08-10T12:30:35","date_gmt":"2020-08-10T10:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.reporter.lu\/?p=120594"},"modified":"2024-11-25T12:31:55","modified_gmt":"2024-11-25T11:31:55","slug":"jemand-muss-am-ende-die-entscheidung-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.reporter.lu\/fr\/jemand-muss-am-ende-die-entscheidung-treffen\/","title":{"rendered":"\u00ab\u00a0Jemand muss am Ende die Entscheidung treffen\u00a0\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das n\u00e4chste Schuljahr wird vermutlich ganz im Zeichen von Covid-19 stehen, sagt Bildungsminister Claude Meisch im Interview mit REPORTER. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Vorbereitungen f\u00fcr die \u00ab\u00a0Rentr\u00e9e\u00a0\u00bb, den schwierigen Dialog mit den Gewerkschaften und das Schicksal jedes Bildungsministers.<\/strong><\/p>\n<p><em>Interview: Pol Reuter<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Meisch, wie gehen Sie mit Unsicherheiten um, wenn Sie eine Entscheidung treffen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind immer in Situationen, in denen es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, in denen unterschiedliche Meinungen ge\u00e4u\u00dfert werden und in denen nicht alle Informationen bekannt sind. Als Politiker muss man auch in solchen Situationen, eine Entscheidung treffen. Ich habe einen Grundsatz, der sich durch meine politische Karriere zieht: Die schlechteste Entscheidung ist keine Entscheidung zu treffen, das ist in der Regel immer falsch. Im M\u00e4rz haben wir die Schulen geschlossen, da wir davon ausgingen, dass die Sch\u00fcler das Virus mit in den privaten Haushalt tragen k\u00f6nnten. Mittlerweile wissen wir, dass das in einem geringeren Ma\u00df stattfindet \u2026<\/p>\n<p><strong>In Israel wurde die zweite Welle jedoch gerade durch die R\u00fcckkehr zur Schule ausgel\u00f6st &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben aber ein ganz anderes Schulsystem als Israel. Dort arbeitet man viel in kleinen Gruppen zusammen, wodurch die Kinder weit mehr Kontakt mit ihren Mitsch\u00fclern haben als in Luxemburg. Ein Vorteil \u2013 in Anf\u00fchrungszeichen \u2013 unseres Schulsystems ist es, dass noch stark auf Frontalunterricht gesetzt wird.<\/p>\n<p><strong>Es gab aber auch positive F\u00e4lle in Luxemburg.<\/strong><\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass die Schule das Problem ist. Die Sch\u00fcler haben sich nicht in der Schule infiziert oder das Virus dort weiter verbreitet.<\/p>\n<p><strong>War es nicht nur ein gl\u00fccklicher Zufall, dass sich das Virus nicht in den Schulen ausgebreitet hat?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, durch das andere Schulkonzept konnte sich das Virus in Israel leichter ausbreiten. Zus\u00e4tzlich konnten die m\u00f6glichen Kontakte noch weiter eingeschr\u00e4nkt werden. Das geschah etwa durch das Ausfallen der optionalen F\u00e4cher und die Schlie\u00dfung der Schulkantine. Zudem half, dass man in der Grundschule die gleichen Gruppen in den Klassen und der \u201eMaison Relais\u201c hatte.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn wir in einer solchen Notlage darauf warten w\u00fcrden, dass alle sich einig sind, machen wir gar nichts mehr.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was sind die Lehren, die Sie aus den letzten Monaten gezogen haben?<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen flexibel bleiben. Das Virus k\u00f6nnte sich ver\u00e4ndern und damit k\u00f6nnte sich auch die Herausforderung in der Schule ver\u00e4ndern. Wir haben jetzt Erfahrung gesammelt mit einer schrittweisen R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t. Trotzdem blieben die Hygieneregeln in den Klassen strikt, Schulzeiten wurden angepasst und die Kantinen blieben geschlossen. Unsere Anweisung an die Schulen ist es, auch im September wieder so anzufangen, wie wir jetzt im Juli aufgeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p><strong>Das n\u00e4chste Schuljahr wird also genau so ablaufen wie dieses?<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte des letzten Jahres konnte normal ablaufen. Unser Ziel war es, es anschlie\u00dfend so gut wie m\u00f6glich abzuschlie\u00dfen. Ich glaube, das ist uns im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern gelungen. Wir mussten das Jahr nicht abbrechen, sondern nur anpassen. Jetzt f\u00e4ngt ein neues Jahr an. Wir k\u00f6nnen es aber nicht mit der gleichen Einstellung beginnen, wie wir das letzte beendet haben. Wir m\u00fcssen uns darauf einstellen, dass es ein ganzes Covid-Jahr wird.<\/p>\n<blockquote><p>Man muss abw\u00e4gen zwischen den Meinungen von Virologen und P\u00e4dagogen.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>In einem Interview erw\u00e4hnten Sie, dass das Ministerium an einem sogenannten Stufenmodell arbeiten w\u00fcrde. Es soll den Schulen die n\u00f6tige Flexibilit\u00e4t f\u00fcr das kommende \u201eCovid-Schuljahr\u201c geben und gezielter auf neue Ereignisse reagieren. Jedoch wurden auch jetzt schon nur Klassen und nicht gesamte Schulen in Quarant\u00e4ne gesetzt. Wie soll es sich von dem jetzigen Modell unterscheiden?<\/strong><\/p>\n<p>Das wird schon anders sein. Bis jetzt haben wir stets Entscheidungen f\u00fcr alle Schulen umgesetzt und nur zwischen der Grund- und Sekundarschule unterschieden. Was wir jetzt umsetzen wollen, ist gezielter auf regionale Umst\u00e4nde einzugehen. Sollte das Virus etwa in einer Region besonders stark verbreitet sein, m\u00fcssen die Schulen andere Ma\u00dfnahmen beschlie\u00dfen. Und das unabh\u00e4ngig davon, ob es bereits in der Schule vorhanden ist oder nicht. Dann m\u00fcssen wir vielleicht sagen, dass die Schulkantine geschlossen bleibt, der Optionskurs ausf\u00e4llt oder die Maskenpflicht ausgeweitet wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31052\" aria-describedby=\"caption-attachment-31052\" style=\"width: 680px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-31052 size-large\" src=\"https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-1036x583.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-1036x583.jpg 1036w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1817e-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31052\" class=\"wp-caption-text\">Claude Meisch ist seit 2013 Bildungs-, Hochschul- und Forschungsminister. Vor seinem Regierungsmandat war er unter anderem B\u00fcrgermeister von Differdingen, Pr\u00e4sident der DP und anschlie\u00dfend Fraktionsvorsitzender der Partei. (Foto: Eric Engel)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Virologie hat nun auch empfohlen, die Maskenpflicht w\u00e4hrend des Unterrichts einzuf\u00fchren. Wollen Sie in diesem Punkt nachbessern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin da eher skeptisch. Man muss abw\u00e4gen zwischen den Meinungen von Virologen und P\u00e4dagogen. F\u00fcr mich ist das ein st\u00e4ndiger Prozess. Wir m\u00fcssen eine Balance finden zwischen dem, was wir tun m\u00fcssen, um die Verbreitung des Virus einzugrenzen, und dem, was garantiert werden muss, um einen kindgerechten Unterricht durchzuf\u00fchren. Ich habe deshalb immer noch Schwierigkeiten damit, die Kinder zu verpflichten, w\u00e4hrend des Unterrichts eine Maske zu tragen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr manche Menschen bleibt die Schule eine Gefahrenquelle. Wie wollen Sie die Risikogruppen sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat dieser Schutz Vorrang. Die betroffenen Lehrer k\u00f6nnen den Unterricht etwa weiterhin per Videokonferenz halten oder einen neuen Posten \u00fcbernehmen, in dem sie weniger Kontakte haben. Das Gleiche gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Sch\u00fcler, die einen Fernunterricht besuchen k\u00f6nnen. \u00dcber den Sommer haben wir jetzt zus\u00e4tzliches informatisches Material bestellt, um sicherzustellen, dass f\u00fcr die Sch\u00fcler der Fernunterricht eine Option bleibt. Ich habe auch Schulen besucht, in denen Sch\u00fcler per Video zugeschaltet wurden und die sich ohne Schwierigkeiten am Unterricht beteiligen konnten.<\/p>\n<blockquote><p>In einer demokratischen Gesellschaft ist es gut, kontrovers \u00fcber Bildung und Chancengleichheit zu reden.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Als Bildungsminister sind Sie gewohnt, mit Kritik umzugehen. Im April kam es dennoch zu einer besonderen Situation. Die eigentlich zerstrittenen Lehrer- und Sch\u00fclergewerkschaften haben Sie gemeinsam aufgefordert, mit ihnen zu diskutieren und nicht nur von Ihnen informiert zu werden. Warum haben Sie keinen Dialog gesucht?<\/strong><\/p>\n<p>Vom ersten Tag an haben wir den Dialog gesucht. Bereits im M\u00e4rz haben wir sowohl mit den Schuldirektionen als auch mit den Gewerkschaften geredet\u2026<\/p>\n<p><strong>Die Gewerkschaften werfen Ihnen aber vor, nur zu informieren und nicht in eine Diskussion zu treten.<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde sagen, \u00ab\u00a0konsultieren\u00a0\u00bb w\u00e4re die richtige Wortwahl. Vor allen gr\u00f6\u00dferen Ank\u00fcndigungen haben wir stets eine Beratungsrunde mit allen Vertretern des Bildungssektors organisiert. Da ergibt sich nicht zwingend eine einheitliche Meinung. Ich habe w\u00e4hrend diesen Sitzungen auch stets die Betroffenen informiert, was das Ministerium sich vorstellt zu tun und danach haben wir nat\u00fcrlich als Ministerium eine Entscheidung getroffen.<\/p>\n<p><strong>Sprich die Meinungen waren nicht miteinander vereinbar?<\/strong><\/p>\n<p>In der Grundschule hatten drei Gewerkschaften unterschiedliche Auffassungen, was im \u00ab\u00a0Cycle 1\u00a0\u00bb getan werden soll. Eine wollte nicht mehr \u00f6ffnen, die andere wollte eine Wiederer\u00f6ffnung und die dritte wollten es den Eltern freistellen, die Kinder in die Schule zu schicken oder nicht. Jemand muss am Ende die Entscheidung treffen. Wenn wir in einer solchen Notlage darauf warten w\u00fcrden, dass alle sich einig sind, machen wir gar nichts mehr.<\/p>\n<blockquote><p>Ich mache mir keine M\u00fche, ein psychologisches Profil von Lehrergewerkschaften zu erstellen.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Abschaffung der A\/B-Klassen sorgte auch f\u00fcr reichlich Kritik. War eine Absprache mit den Gewerkschaften nicht m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Gewerkschaften waren skeptisch gegen\u00fcber einer solchen M\u00f6glichkeit und zwei weitere sahen darin kein Problem oder es war genau das, was sie gefordert hatten. Als die Klassen dann am 29. Juni wieder zusammengef\u00fchrt wurden, war das nicht mehr der Fall. Alle waren dagegen.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Das wei\u00df ich auch nicht. Ich mache mir keine M\u00fche, ein psychologisches Profil von Lehrergewerkschaften zu erstellen. Damit will ich nur verdeutlichen, was die Grenzen eines solchen Dialogs sind. Ich verstehe, dass eine Gewerkschaft durch das vorgegebene Tempo vielleicht zuerst eine Ma\u00dfnahme f\u00fcr gut befindet, um anschlie\u00dfend festzustellen, dass die Mitglieder dagegen sind.<\/p>\n<p><strong>Trotzdem gilt das Verh\u00e4ltnis zwischen Ihnen und den Gewerkschaften als besonders angespannt &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich mit meinen Kollegen aus anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern rede, stelle ich fest, dass sie mehr Schwierigkeiten mit ihrem Personal haben als ich. Da wird gestreikt und demonstriert &#8211; Dinge, die ich in den letzten Jahren hier nicht erlebt habe. In einer demokratischen Gesellschaft ist es gut, kontrovers \u00fcber Bildung und Chancengleichheit zu reden. Es w\u00e4re traurig, wenn es nicht so w\u00e4re. F\u00fcr mich hat das nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches, dass wir keinen Konsens finden.<\/p>\n<p><strong>Der Dialog sollte auch im Zentrum dieser Legislaturperiode stehen. Dennoch wurde weder der Bildungstisch eingef\u00fchrt noch eine Versammlung des \u201eConseil Sup\u00e9rieur de l\u2019Education Nationale\u201c einberufen. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Das Konzept f\u00fcr einen Bildungstisch steht, aber durch die Covid-Krise kommen wir da nicht mehr weiter. In dieser Phase sollten eigentlich die Diskussionen im \u201eConseil Sup\u00e9rieur\u201c und im Parlament beginnen. Sobald wir diese Krise bew\u00e4ltigt haben, wird es sicherlich eine unserer Priorit\u00e4ten sein. Allerdings werden sp\u00e4ter auch nicht alle Entscheidungen am Bildungstisch getroffen. Dort k\u00f6nnen wir lediglich die zwei, drei gro\u00dfen strukturellen \u00c4nderungen, die man vielleicht in einer Legislaturperiode vorsieht, ausarbeiten. F\u00fcr mich ist es wichtig, dort einen Konsens zu finden, weil ich der Meinung bin, dass die Bildungspolitik \u00fcber eine Legislaturperiode hinaus gedacht werden muss. Ich w\u00fcrde vielleicht lieber einen Schritt weniger nehmen, um daf\u00fcr Unterst\u00fctzung f\u00fcr alle anderen Schritte zu erhalten.<\/p>\n<blockquote><p>Ich glaube, da sieht man auch, dass der Minister Claude Meisch zuh\u00f6ren kann, auf berechtigte Kritik eingeht und versucht neue Wege zu gehen.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Ist das eine Lehre aus der letzten Legislaturperiode? Lehrergewerkschaften forderten ja, dass endlich wieder Ruhe in der Bildungspolitik einkehrt.<\/strong><\/p>\n<p>Ich verstehe den Wunsch nach Ruhe. Allerdings waren die Reformen der letzten Jahre dringend n\u00f6tig. Die Sekundarschule beruhte auf einem Gesetz von 1968, die \u201e\u00e9ducation diff\u00e9renci\u00e9e\u201c auf einem Text von 1973. Es gab einen gewissen Reformstau, der uns zwang, zu reagieren. Deshalb sah ich die Notwendigkeit f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Diskussionen nicht. Auch wenn die Reform stark kritisiert wurde, hat sich die Lage jetzt beruhigt. Ich glaube, der Widerstand w\u00e4re gr\u00f6\u00dfer, wenn ich sie jetzt wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Einerseits wollen Sie Reformen \u00fcber eine Legislaturperiode hinaus denken und andererseits haben Sie den Text Ihrer Vorg\u00e4ngerin verworfen. Ist das nicht ein Widerspruch?<\/strong><\/p>\n<p>Hat man damals aus dem Fenster des Ministeriums geschaut, standen 6.000 Menschen vor der T\u00fcr, zu demonstrieren. Ich setzte mir schon das Ziel, die Absichten des Texts zu erf\u00fcllen und gleichzeitig eine hohe Zustimmung zu erreichen. In vielem gingen wir gar weiter als der urspr\u00fcngliche Text. Ich glaube, da sieht man auch, dass der Minister Claude Meisch zuh\u00f6ren kann, auf berechtigte Kritik eingeht und versucht, neue Wege zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Einer dieser neuen Wege w\u00e4re, die Kinderbetreuung in Zukunft komplett kostenlos anzubieten. Ist das noch umsetzbar angesichts der finanziellen Lage des Staates?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kann das heute noch nicht sagen. Die Regierung wei\u00df ja auch noch nicht, welcher Spielraum f\u00fcr eine Steuerreform oder gro\u00dfe Investitionsprojekte bleibt. Der Koalitionsvertrag hat noch immer seine G\u00fcltigkeit, aber nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir schauen, ob das noch in den finanziellen Rahmen passt, den wir nach der Krise haben.<\/p>\n<blockquote><p>H\u00e4tten wir keine Schulden aufgenommen, h\u00e4tten wir der n\u00e4chsten Generation sicherlich keine bessere Situation hinterlassen.\u00a0\u00bb<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Im Namen ihres Ministeriums steht auch die Jugend. Ist die schlechte finanzielle Lage des Staates nicht eine weitere Belastung f\u00fcr diese?<\/strong><\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz hat die Jugend eine enorme Solidarit\u00e4t mit den \u00c4lteren gezeigt. Ihr soziales Leben wurde eingeschr\u00e4nkt, obwohl klar ist, dass junge Menschen den Kontakt zu Gleichaltrigen ben\u00f6tigen, um voneinander zu lernen. Dabei ging es von Anfang an nicht darum, die Jugend zu sch\u00fctzen, da sie kaum einem Risiko ausgesetzt ist. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Gesellschaft der Jugend jetzt auch wieder etwas zur\u00fcckgibt. Das hei\u00dft, die Schule soll wieder normal funktionieren, soziale Kontakte sollen wieder m\u00f6glich sein und wir m\u00fcssen ihnen wieder Perspektiven bieten \u2013 auch auf dem Arbeitsmarkt. Junge Menschen sind die ersten Verlierer einer Krise. Sie haben oft nur Kurzzeitvertr\u00e4ge oder sie kommen erst von der Schule. Alle anderen werden vom Arbeitsrecht gesch\u00fctzt. Wir haben deshalb etwa entschieden, die freien Posten beim Staat auszuschreiben, um der Jugend Arbeit zu bieten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_31028\" aria-describedby=\"caption-attachment-31028\" style=\"width: 680px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-31028 size-large\" src=\"https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-1036x583.jpg\" alt=\"\" width=\"680\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-1036x583.jpg 1036w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.reporter.lu\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/AAAA1922e-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-31028\" class=\"wp-caption-text\">Der gelernte Wirtschaftsmathematiker machte sich vor seinem Eintritt in die Regierung im Parlament vor allem einen Namen als Finanz- und Wirtschaftspolitiker. (Foto: Eric Engel)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Dennoch mussten in der Krise Schulden aufgenommen werden, die langfristig der Jugend zur Last fallen werden &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Es gab keine Alternative. Wir mussten den Menschen helfen, die von dieser Krise betroffen waren und die Unternehmen unterst\u00fctzen, damit sie die Arbeit wieder aufnehmen k\u00f6nnen. H\u00e4tten wir das nicht gemacht, h\u00e4tten wir der n\u00e4chsten Generation sicherlich keine bessere Situation hinterlassen. Der Staat kann sich momentan diese Verschuldung erlauben. Aber kein Land kann das auf Dauer machen. Irgendwann m\u00fcssen wir zur\u00fcck zu einem System, in dem die Neuverschuldung nicht einen gewissen Prozentsatz des BIP \u00fcbersteigen darf.<\/p>\n<p>Es ist auch selten so, dass man die Schulden gleich tilgt. In der Regel werden sie kleiner, indem die Wirtschaft w\u00e4chst. Wir m\u00fcssen also schauen, wirtschaftlich gut da zu stehen, Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen und Perspektiven zu bieten. Dann k\u00f6nnen gesunde Unternehmen auch ihre Steuern zahlen und somit auch den Staat und die Krankenkasse am Laufen halten. Das ist das Allerwichtigste f\u00fcr die kommende Generation. Und dann bereiten mir die ein oder zwei Milliarden Euro zus\u00e4tzliche Schulden wenig Kopfschmerzen.<\/p>\n<p><strong>2013 waren Sie noch als Finanzminister im Gespr\u00e4ch. Bereuen Sie noch immer nicht, sich f\u00fcr das Bildungsministerium entschieden zu haben?<\/strong><\/p>\n<p>(lacht) Das ist die Frage, die Journalisten mir am h\u00e4ufigsten stellen. Nein, das war genau das Ministerium, das ich haben wollte. Ich war mir aber nat\u00fcrlich der Gegebenheiten des Ministeriums und der Bildungspolitik bewusst.<\/p>\n<p><strong>Kann man als Bildungsminister in den Augen des Publikums \u00fcberhaupt etwas richtig machen?<\/strong><\/p>\n<p>(lacht) Ich glaube, das muss das Publikum entscheiden. Als Politiker muss man damit leben, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und man kritisiert wird. Ich bin aber ein \u00fcberzeugter Demokrat. Ich akzeptiere das nicht nur, ich fordere die Menschen dazu auf, sich eine Meinung zu bilden und sie zu \u00e4u\u00dfern. Die Kritik trifft mich ja nicht pers\u00f6nlich. Wenn morgen jemand anders hier sitzen w\u00fcrde, w\u00e4ren die Spielregeln die gleichen. Das hat nichts mit Claude Meisch zu tun, sondern mit dieser Funktion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das n\u00e4chste Schuljahr wird vermutlich ganz im Zeichen von Covid-19 stehen, sagt Bildungsminister Claude Meisch im Interview mit REPORTER. 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