Der Cum-Ex-Drahtzieher Sanjay Shah steht wegen milliardenschweren Steuerbetrugs vor Gericht. Sein Treuhänder in Luxemburg wurde kürzlich wegen Geldwäsche-Vergehen verurteilt. Doch noch weitere Spuren führen zum hiesigen Finanzplatz.

Am ersten Prozesstag Mitte März war ein wesentlicher Punkt bereits geklärt. Ob rund neun Milliarden dänische Kronen (umgerechnet 1,2 Milliarden Euro) an Steuerrückzahlungen an seine Firma geflossen seien, fragte die Staatsanwältin den Angeklagten Sanjay Shah vor Gericht im dänischen Glostrup. „Das ist richtig“, antwortete der 53-jährige Brite.

Er gilt als Mastermind des sogenannten Cum-Ex-Handels und soll Dänemark, aber auch Belgien um gigantische Summen betrogen haben. Laut Recherchen von Reporter.lu hat er ebenfalls den Luxemburger Staat um mehr als zehn Millionen Euro gebracht. Ein Schuldeingeständnis von Sanjay Shah gab es im dänischen Megaprozess nicht. Die dubiosen Aktiengeschäfte hätten viele gemacht und sie seien völlig legal gewesen. Man habe damit lediglich eine Gesetzeslücke ausgenutzt, argumentierte der ehemalige Hedge-Fonds-Manager vor dem dänischen Gericht.

Das Problem Dänemarks war vor allem, dass die Steuerbehörde zu spät bemerkte, dass umgerechnet über eine Milliarde Euro möglicherweise illegal abgeflossen war. Erst im Juni 2015 warnte ein früherer Mitarbeiter von Sanjay Shah die dänische Behörde, berichtete der öffentliche Rundfunk „DR“. In den sieben Wochen, die die Steuerbehörde brauchte, um die Warnung ernst zu nehmen, verlor der dänische Staat weitere 350 Millionen Euro. Ende August 2015 informierten die dänischen Behörden schließlich die Öffentlichkeit über den Verdacht des Milliardenbetrugs.

Sorglose Luxemburger „Compliance“

In Luxemburg stellte sich keiner der Finanzdienstleister und Gehilfen von Sanjay Shah diese Fragen oder warnte die Behörden. Die Sorglosigkeit am Finanzplatz gegenüber den Cum-Ex-Akteuren zeigt beispielhaft Shahs Treuhänder „Hoche Partners“. Der Dienstleister mit Sitz in Bartringen wurde Ende Februar zu einer Geldstrafe von 85.000 Euro verurteilt. Der Grund: Das Unternehmen habe seine Sorgfaltspflicht gegenüber dem Kunden Sanjay Shah und dessen Gesellschaften verletzt und damit gegen das Anti-Geldwäsche-Gesetz verstoßen. Das „Lëtzebuerger Land“ hatte Anfang März zuerst über das Urteil berichtet.

Das „Jugement sur accord“ zwischen Staatsanwaltschaft und „Hoche Partners“ liegt Reporter.lu vor. Es zeigt, dass der Treuhänder nichts davon gewusst haben will, dass einer der Masterminds der Cum-Ex-Deals zu seinen Kunden zählte. Dabei fehlte es den Mitarbeitern des Dienstleisters nicht an Hinweisen auf die Brisanz der Geschäftsbeziehung. Bei Hausdurchsuchungen bei „Hoche Partners“ fand die Kriminalpolizei einen Wikipedia-Artikel über Sanjay Shah, der im Dezember 2016 den Verdacht auf Steuerbetrug bereits erwähnte. Ebenfalls tauchte ein Brief der Staatsanwaltschaft Hamburg vom März 2017 auf, die Shahs Gesellschaften „Aesa Sàrl“ und „VEM Holdings Sàrl“ über Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen sie informierte.

„Hoche Partners“ wurde letztlich auch verurteilt, weil dieser Brief nicht dazu führte, dass der Verdacht auf Geldwäsche an die Luxemburger „Cellule du renseignement financier“ (CRF) gemeldet wurde. Dabei wäre das die Pflicht des Treuhänders gewesen. Im Verfahren erklärte das Unternehmen, dass die „Compliance“-Beauftragte weder des Englischen noch des Deutschen mächtig gewesen sei …