Der Stress eines Notarztes ist kaum zu überbieten. Die Anforderungen steigen konstant und viele von ihnen äußern die Angst vor Fehlern und Gerichtsverfahren. Dennoch verdienen einige Ärzte der Notaufnahme seit Jahresbeginn weniger als zuvor – und sollen bald noch mehr arbeiten.

„Ich kenne keinen Notarzt, der bereit wäre, noch mehr zu arbeiten als bisher oder zusätzliche Nachtschichten zu übernehmen. Auch nicht für mehr Geld“, sagt Dr. Emile Bock. Eine steigende Belastung sei allerdings ab 2020 unumgänglich, so der Chef-Koordinator der Notaufnahme der „Hôpitaux Robert Schuman“ in Kirchberg. Ab dem nächsten Jahr sollen nämlich die Notaufnahmen der beiden großen Krankenhäuser der Hauptstadt tagsüber während der Woche zeitgleich öffnen.

Spätestens ab 2024, wenn auch nachts beide Krankenhäuser einen Notdienst gewährleisten sollen, droht der Arbeitsaufteilung der heutigen 23 Notärzte im Zentrum der Kollaps, erklärt Emile Bock. « Wir geben ständig Gas, Gas Gas“, klagt er. Neben der Behandlung bleibe keine Zeit, den Patienten moralische Unterstützung oder ausführliche Erklärungen zu geben. Der humane Aspekt komme dabei zu kurz. « Niemand will in solchen Bedingungen arbeiten. Das ist wie Arbeit am Fließband », sagt der erfahrene Mediziner. In der Hauptstadt werden laut Zahlen von 2016 pro Jahr 160.000 Fälle in der Notaufnahme behandelt. Das sind rund 450 am Tag.

Nicht nur die langen Wartezeiten in der Notaufnahme zeigen: Die Notärzte sind bereits jetzt voll ausgelastet. Diese Mediziner müssen den Gesundheitszustand des Patienten durch Notfalleingriffe stabilisieren, gegebenenfalls intubieren, Magensonden und Harnkatheter legen, Reanimationen vornehmen – und das in Rekordzeit. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Mitarbeiter der Notaufnahmen bereits 2017 angaben, Angst vor Fehlern und Gerichtsverfahren zu haben.

150.000 Euro weniger seit diesem Jahr

Akzeptierbar ist das Risiko weder für den Patienten noch für die Notärzte. Dabei sind weder die Arbeitsbedingungen noch die Bezahlung allzu attraktiv. Zwar pocht die Krankenkasse CNS auf die 30-prozentige Honorarerhöhung, die seit diesem Jahr für Notärzte gilt. Was dabei oft verschwiegen wird: Die Notärzte konnten zuvor ein geringeres Basishonorar als Allgemeinmediziner verrechnen. Anfang des Jahres wurde ihnen zudem das Entgelt für Leerzeiten gestrichen.

Die Krankenhausdirektoren und die Krankenkasse sind heute sehr verwöhnt, einen Bereitschaftsdienst der Ärzte zu haben, für den sie nicht bezahlen müssen. »Dr. Alexandre Bisdorff, Neurologe im CHEM

Letzteres brachte vor allem den Notärzten im Norden ein finanzielles Polster, wenn an manchen Tagen weniger Patienten die Notaufnahme aufsuchten. Die reine Anwesenheit und Verfügbarkeit der diensthabenden Notärzte im Krankenhaus wird bis heute nicht bezahlt …