Eltern, die nach der Geburt ihrer Kinder in Teilzeit arbeiten möchten und ihre Kinder nur für wenige Stunden pro Woche in eine Tagesstätte geben möchten, müssen sich oft in Geduld üben. Über ein bekanntes Problem bei der Suche nach einem Betreuungsplatz.

Mehrere Betreiber bestätigen auf Nachfrage, dass Eltern ihre Kinder für höhere Betreuungsstunden einschreiben, als tatsächlich von den Kindern in Anspruch genommen werden. Der Grund: Verschiedene Tagesstätte sehen eine Mindestanzahl an Einschreibungsstunden vor – häufig muss ein Kind in kommerziellen Einrichtungen für mindestens 25, 30 oder 35 Stunden eingeschrieben werden – einige Einrichtungen schreiben gar eine Vollzeiteinschreibung von 50 oder 60 Stunden vor.

„Wir bieten ein Minimum von 25 Betreuungsstunden an“, bestätigt die Leiterin einer Einrichtung in der Hauptstadt. „Der Personalschlüssel, der vorschreibt, wie viele Erzieher pro Kind vor Ort sein müssen, erlaubt uns keine größere Flexibilität.“

Auch die Betreiberin einer weiteren kommerziellen Kindertagesstätte erklärt, dass bei ihr mindestens 30 Stunden pro Woche gebucht werden müssen. Dabei weiß sie, dass das nicht ideal ist. „Ich bin mir bewusst, dass einige Eltern sich eine größere Flexibilität wünschen. Finanziell wäre das für uns aber nicht machbar. Um über die Runden zu kommen, müssen wir die Personalschlüssel so gut wie möglich auslasten.“

Diese Beispiele zeigen: Wer sein Kind lediglich für die 20-Gratis-Stunden einschreiben möchte, muss sich erst einmal nach einer Einrichtung umsehen, die eine solche Einschreibung zulässt.

Keine Zahlen, keine Kontrolle

Dass Eltern mehr Stunden in Kauf nehmen, mag auch mit der 20-Gratis-Stunden-Betreuung zusammenhängen, die Kindern zwischen einem und vier Jahren in mehrsprachigen Tagesstätten zur Verfügung gestellt werden. Dieser Zuschuss scheint allerdings in einigen Fällen zu einer höheren Zahlungsbereitschaft zu führen – angesichts der 20-Gratis-Stunden zahlen Eltern nämlich bei gleicher Kaufkraft geringere Summen, so dass es sich einige rein theoretisch leisten können, die Kinder für fiktive Stunden einzuschreiben. Angesichts der beschränkten Betreuungsplätze, bleibt einigen keine andere Wahl.

Die Betreiberin einer dritten Tagesstätte mit rund 20 Kindern in Luxemburg-Stadt stellt vor allem bei Vollzeiteinschreibungen eine Diskrepanz zwischen eingeschriebenen und geleisteten Stunden fest: „Wer sich eine Vollzeitbetreuung wünscht, muss seine Kinder bei uns für 60 Stunden einschreiben. Die meisten dieser Kinder kommen im Schnitt nur 40 – 50 Stunden die Woche.“ Dass Kinder demnach für Stunden eingeschrieben werden, die sie nicht in der Tagesstätte verbringen – und dies obwohl der Steuerzahler einen Teil dafür zahlt – sieht sie nicht als Problem an. Sie ist überzeugt: „Seit der Einführung der 20-Stunden-Gratis-Betreuung ist das für viele Eltern noch weniger ein Problem als davor.“

Zahlen darüber, wie viele Kinder tatsächlich weniger Stunden beanspruchen, als jene, die offiziell mit der Kindertagesstätte vereinbart wurden, hat das Ministerium für Kindheit und Jugend keine. Ob sich das Problem der fiktiven Einschreibungen angesichts der 20-Gratis-Stunden erhöht hat und ob man generell eine höhere Einschreibungsdauer der Kinder feststellt, konnte im Ministerium auch nicht bestätigt werden. Dies müsse erst analysiert werden, erklärt Manuel Achten, Erster Regierungsrat im Ministerium. Dabei betont er, dass das Ministerium einen Missbrauch der Steuergelder verhindern möchte.

„Wird ein Großteil der Betreuung über die ‘Chèques-Service’ und die 20-Gratis-Stunden mitfinanziert, müssten diese Gelder natürlich richtig eingesetzt werden. Es ist natürlich schon die Idee, dass Eltern ihre Kinder nur für jene Stunden einschreiben, die sie auch tatsächlich nutzen.“ Die diesbezügliche Kontrolle sei allerdings angesichts der Kindertagesstätten im Land sehr schwer. Bisher könne das Ministerium auf den Rechnungen lediglich die verrechneten Stunden einsehen. Für kommerzielle Tagesstätten werden die Stunden auf Basis der vorgesehenen Einschreibungen berechnet.

Die schwierige Flexibilität

Staatlich konventionierte Tagesstätten sind zwar durchaus flexibler, können aber gegenwärtig nur ein Drittel der rund 15.000 Plätze für nicht schulpflichtige Kinder anbieten. Und auch für sie, sind diese Einschreibungen derart problematisch, dass einige Tagesstätten zumindest Kinder in Vollzeit vorziehen.

„Es ist sehr schwer, die Betreuungsplätze gut zu füllen und dabei zwischen Flexibilität und wirtschaftlichen Herausforderungen zu jonglieren“, gesteht der Betreiber einer konventionierten Crèche in Luxemburg-Stadt mit 30 Betreuungsplätzen. Welche Stunden von den Kindern belegt werden und welche nicht, wird hier ganz genau festgehalten.

Der Staat steuert den von ihm finanziell unterstützen Tagesstätten bis zu 75 Prozent der Betriebskosten bei, berechnet die Personalkosten allerdings auf Basis der tatsächlich von Kindern belegten Betreuungsstunden und der Personalauslastung.

Sind Kinder beispielsweise nur morgens eingeschrieben und können die Betreuungsplätze nachmittags nicht von anderen Kindern belegt werden, riskiert eine Tagesstätte geringere Zuschüsse für seine Personalkosten. Umso problematischer sei dies angesichts der häufigen Krankheitsfälle von Kleinkindern. An jenen Tagen sei das Personal zum Teil auch nicht ausgelastet. Generell rechtfertigt der Staat seine Zuschüsse für ein Personal, das zu 75 Prozent ausgelastet ist.

Pascale Lies-Schmit, Leiterin der Tagesstätten von « Caritas Jeunes et Famille » kennt das Problem. „Es hat auf uns natürlich schon Auswirkungen, wenn wir die laut Personalschlüssel vorgesehenen Erzieher für eine bestimmte Anzahl von Kindern zur Verfügung stellen, diese Stunden aber später nicht genutzt werden.“ Gezahlt werden muss das Personal dennoch. Sie betont dennoch die Wichtigkeit eines flexiblen Angebots. Generell empfehle sie in ihren Einrichtungen ein Minimum von sechs Stunden pro Woche, damit sich das Kind an das Umfeld gewöhnen könne. Insgesamt seien Kinder selten weniger als zehn Stunden eingeschrieben.

Dass Eltern zunehmend auf konventionierte Einrichtungen zurückgreifen würden, um von den 20-Gratis-Stunden Gebrauch zu machen, die ihnen einige private Betreiber so nicht anbieten, konnte sie nicht feststellen. „Seit der Einführung der 20-Gratis-Stunden, haben wir keine größere Nachfrage festgestellt. Es hat keinen Rush gegeben.“


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