Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Immer samstags blickt die REPORTER-Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Diese Woche: ein scheuer Premierminister und ein „Bling-Bling-Bulldozer“.

Koalitionsverhandlungen sind, wenn eine Handvoll Journalisten in Thermojacken und Wintermäntel vor Ministerien lungert und darauf wartet, dass etwas passiert. Zugegeben, das ist ein hoher Anspruch an die Luxemburger Politik.

Augenblicklich scheinen die Gespräche darin zu bestehen, dass sich zu Beginn alle Beteiligten herzen, ihr bestes Pfannkuchenlachen für die Kameras auspacken und Etienne Pralinen vom « Chocolate House » mitbringt. Damit auch keiner der griesgrämigen CSV-Leute auf die Idee kommt, dass das mit « Gambia II » nichts wird. Obwohl « Gambia », aber das ist eine andere Geschichte.

Da sind alle Journalisten froh, wenn sich mal ein Minister blicken lässt. Doch die sind manchmal schreckhaft. Erste Frage an « Formateur » Xavier Bettel: Wie ist es mit dem Kredit von 500 Millionen Euro? Davon weiß der Premierminister nichts, denn er hat REPORTER noch nicht gelesen (großer Fehler sagen wir). Doch flugs holt er seinen Freund Pierre Gramegna hinzu, der das dann mal klärt. Währenddessen verschwindet Bettel wieder – schließlich ist nur 20 Minuten Mittagspause. Er hat dann doch kurz Zeit, um zu sagen, dass die drei Parteien den Beamten und Sozialpartnern « zugehört haben ». Toll.

Superministerium für Gedöns

Zumindest die Wirtschaftsvertreter hatten sich etwas einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der ministrablen Zuhörer zu erhaschen. Es brauche einen Staat 4.0 und weniger Minister. Also am besten nur sechs Superminister. Das ist natürlich blöd, denn jede der drei Delegationen zählt mehr Mitglieder. Geht es also nach den Vorstellungen der Handelskammer, dann wird eine Person zugleich Wirtschafts-, Budget-, Transport-, Kommunikations- und Energieminister.

« Super », antwortete Etienne Schneider auf die Frage, wie er die Idee fände. Vielleicht rächt er sich, indem er seine Pläne für eine Fusion von Handels- und Handwerkskammer wieder aus der Schublade holt. Die hatten 2014 für ein größeres Erdbeben in Kirchberg gesorgt. Effizienz und Sparen fängt halt immer bei den anderen an.

Auffallend ist bei den Plänen der Handelskammer, dass von Sport über Kultur bis Tourismus und Landwirtschaft zahlreiche Ressorts in der Zusammenstellung fehlen. Sie haben offenbar das Superministerium für Gedöns vergessen! Oder zumindest Gerhard Schröder würde es so nennen.

Superjhemp ist für alle da

Superministerien sind leider nicht für jedermann zu haben. Gott sei Dank gibt es da Superhelden, die für die ganze Nation geradestehen. Denn Superjhemp ist für alle da – auch im post-elektoralen Hickhack zwischen gutgelaunten Regierungsanwärtern, verbitterten Wahlverlierern, jungen Parteierneuern und altbackenen Parteigranden.

Die glamouröse „Avant-Première“ von „De Superjhemp retörns“ wollte jedenfalls keiner verpassen. Der korpulente Nationalheld vermag es eben nicht nur heimtückische Staatsfeinde in die Flucht zu schlagen, sondern auch tiefe ideologische Gräben zu überwinden. Wenn „Ausnahmeschauspieler“ (dixit « Télécran ») Änder Jung im Kirchberger Kinepolis aufkreuzt, lassen sich nämlich selbst unbelehrbare Kapitalismuskritiker wie David Wagner gerne mit wirtschaftsliberalen Tanten und konservativen Jungspunds ablichten. Kein Wunder, dass die Stimmung ähnlich ausgelassen war, wie bei den heitersten Koalitionsverhandlungen aller Zeiten.

Die ADR motzt weiter

Nicht auf den unzähligen Glamourpics zu finden waren jedoch die rot-weiß-blauen Wahlkampfhelden der ADR. Fast zwei Wochen nach dem Urnengang stößt das Wahlresultat den unbeirrbaren Verfechtern der Luxemburger Kultur immer noch sauer auf. Nach den verheißungsvollen Umfragewerte der vergangenen Monate, hält selbst der Sitzgewinn im Norden höchstens als Trostpreis her.

Doch so leicht lassen die tapferen ADRler sich nicht unterkriegen. Mitte der Woche trommelten sie die Presse zusammen, um die Schuldigen für die missliche Lage ihrer Partei zu benennen. Nicht nur das ungerechte Wahlsystem und die koalitionsunwillige CSV seien mitverantwortlich für das mittelmäßige Abschneiden der ADR, auch die „populistischen“ Piraten hätten seiner Partei stimmen abgeluchst, so Parteipräsident Jean Schoos.

Die inoffizielle Koalition der schlechten Wahlverlierer

Nicht zu vergessen auch die bösen Medien. „Ich hatte fast den Eindruck, wir essen kleine Kinder“, meinte Schoos hinsichtlich der Berichterstattung über seine Partei. Wir denken: Bei solchen Gemeinheiten bliebe wohl selbst Superjhemp die Kachkéise-Schmier im Halse stecken. Angesichts dieser feindlichen Umgebung kann man der ADR wohl nur eine Koalition der schlechten Verlierer mit der CSV ans Herzen legen. Denn auch die Christsozialen wirkten letzte Woche vor der Presse, als würden sie dringend ein bisschen Zuneigung brauchen.

Keine Rücksicht auf die Gemütslage der unglücklichen CSV-Kandidaten nimmt jedenfalls Pierre Lorang, der comic-affinste Politik-Kommentator im Lande. „Oh my God!“, entfuhr es dem früheren CSJ-Präsidenten in bester Sprechblasen-Manier als er im Quotidien-Interview auf die Wahlkampagne der CSV zu sprechen kam. Die Kampagne sei insgesamt „unsichtbar“ und „mittelmäßig“ gewesen, der Wahlslogan „miserabel“, und die Fotos von Spitzenkandidat Claude Wiseler „bleich“. Kein Wunder also, dass er im Vergleich zum „Bling-Bling-Bulldozer“ Etienne Schneider alt ausgesehen habe. Pierre Lorang hätte es wohl auch als Superjhemp-Texter weit gebracht.