Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Immer samstags blickt die REPORTER-Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Diese Woche: bärtige Politik mit Bart und wiehernde Denkanstöße.

Jeden Sommer ist es das gleiche Leiden: Die Schueberfouer kündigt die Rentrée an und man weiß als Mann, dass es jetzt mit Sonne, Shorts und Sonnencreme vorbei ist. Jetzt ist wieder Sakko, Hose, Hemd angesagt. Doch Fouer und Braderie sind Gelegenheiten bei denen « mann » einen neuen Look ausprobiert. Nach dem Motto: sehen und gesehen werden.

Das hat selbst die EU-Kommission verstanden. Sie bot den Europa-verrückten Luxemburgern ein « Dreamcut » im extra errichteten « Barbershop ». Als Influencer-in-chief musste Premier Xav’ natürlich mithalten. Er trägt einen staatsmännisch graumelierten 3-Tage-Bart. Dazu ein Leinenhemd und einen kunstvoll drapierten Pullover.

Fragen auf Fragen brennen uns aber auf den Nägeln: War es Xav, der Max Hahn zum Wechsel von Babyface auf Bartstoppeln inspiriert hat oder umgekehrt? Sprich, wer definiert bei der DP das liberale Lookbook? Und warum macht Pierre Gramegna nicht mit?

Shoppen und die CSV ärgern

Aber wir haben einen Verdacht, wer die wahre Influencerin ist: Schuhverkäuferin Corinne (im Nebenjob DP-Präsidentin und Ministerin). Das aufwendige investigative Scrollen in den sozialen Medien lieferte eindeutige Hinweise. Premier Xav kauft offenbar seit Jahren seine Schuhe bei Chaussures Léon – denn da drücken sie nicht. Und es scheint ein Initiationsritus zu sein: Wannabe-DP-Shootingstar Christopher Lilyblad (ex-CSV, ex-Volt) kauft auch bei Corinne. Das mit dem obligatorischen Bart hat er aber noch nicht verstanden.

Screenshot: Christopher Lilyblad/Facebook

Das offenbart einen netten Nebeneffekt mit dem deontologisch einwandfreien Shoppen. Minister-Selfies im Schuhladen bringen die CSV zur Weißglut. Wer glaubte, Xav und Corinne ließen sich den Selfie-Spaß vom Opposition-Blabla der CSV verderben, der hat sich getäuscht. Sie sind halt Freunde seit Kindertagen und da kauft Xav gerne seine Schuhe bei Corinne. Und lässt es das ganze Land wissen. Im Bild leider nicht zu sehen: Chaussures Léon hat mittlerweile das exklusive Label ergattert: Powered by Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg.

Pferdeäpfel fürs Sommerloch

Während die DP bereits stilvoll die Rentrée einläutet, sitzt die CSV noch im Sommerloch. Beispiel: Serge Wilmes, hatte da eine –  nennen wir es mal bahnbrechende – Idee. Den Ex-CSV-Hoffnungsträger muss es wohl kürzlich in die belgische Hauptstadt verschlagen haben. Sein Einfall: Wieso nicht eine berittene Polizei in Luxemburgs Hauptstadt einführen?

Die Frage fand er so wichtig, dass er sie gleich einmal als parlamentarische Anfrage stellte. RTL.lu fand sie auch enorm wichtig und machte daraus gleich einen Artikel bzw. einen « Denkanstoß », mit passender Fotogalerie. Und mal ehrlich, so ein Pferd kann ja elegant durch Baustellen und an SÜVchen vorbeiflanieren. Mit den Pferdeäpfeln ist das zwar so eine Sache – aber in der Hauptstadt finden sich dafür zurzeit ja so einige Baugruben.

Kleiner Haken: In Brüssel klappt das Ganze gar nicht so wunderbar, wie Wilmes sich das ausmalt. Denn das Großvieh macht nicht nur Mist. Es kostet auch noch ordentlich Geld. Dort wurde wiederholt über die Abschaffung diskutiert, da sich die Unterhaltung nicht lohne. Aber Belgier konnten bekanntlich noch nie mit Geld umgehen.

Aber natürlich wird der grüne Sicherheits-Superminister Bausch wieder keinen Spaß verstehen und Wilmes’ Idee abschießen. Aber wir haben eine Alternative: « Agents municipaux » zu Pferd! Das wäre pures Nation Branding: Nirgends würden Parktickets mit so viel Stil ausgeteilt.

Aber eins hat Wilmes mit seiner wiehernden Einlage bereits erreicht. Die Tierschutzorganisationen … äh Piraten … sind frühzeitig aus dem Sommerloch gefallen und schreien mal wieder „Skandal“. Wilmes’ « Denkanstoß » sei Tierquälerei wie aus dem Mittelalter.