Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Päpstlicher Ausnahmezustand und Xav auf Tauchstation.

Habemus papam! Es ist offiziell: Papst Franziskus wird Ende September Luxemburg besuchen. Die Retrospect-Redaktion nutzte ihre guten Verbindungen zum Heiligen Stuhl und erhielt exklusiv Einsicht in das offizielle Programm des Papst-Besuchs, das noch nicht einmal der Luxemburger Regierung, geschweige denn dem Pontifex mitgeteilt wurde. Und Achtung, Spoiler-Alarm: Was anfangs als kurze Stippvisite angekündigt war, wird ein Besuch epischen Ausmaßes.

Anreisen wird Papst Franziskus wenig überraschend per Flugzeug. Die Luxair wird ihm dazu eine Maschine zur Verfügung stellen, denn der kleine Vatikanstaat besitzt gar kein eigenes Flugzeug, das Großherzogtum hingegen eine ganze nationale Fluggesellschaft. Der Luxair-CEO verfügte sogar höchstselbst, dass auf dem Flug ausnahmsweise wieder Luxemburger Crémant ausgeschenkt wird. Für den Papst ist das Beste gerade gut genug, soll Gilles Feith gesagt haben. Das Papamobil wiederum wird von der Cargolux nach Luxemburg geflogen.

Vor der Landung am Findel werden alle Landebahnen neu asphaltiert. Bekanntlich haben Päpste die Angewohnheit, den Boden zu küssen, auf dem sie wandeln. Da wollte Mobilitätsministerin Yuriko Backes lieber auf Nummer sicher gehen. Am Flughafen muss der Heilige Vater denn auch gar nicht lang an der Sicherheitsschleuse warten. In weiser Voraussicht hatte das Personal bereits Monate zuvor den Stecker des Metalldetektors herausgezogen.

Urbi, orbi et Aire de Berchem

Vom Flughafen geht es im Autokorso zum „Iergäertchen“, was dem Pontifex als Wahlitaliener nur ein müdes Lächeln abverlangt. Die nächste Station ist die Aire de Berchem, an der der Pontifex sein Papamobil auftanken lassen kann und die Zapfsäulen segnen soll. Unbestätigten Informationen zufolge will Kulturminister Eric Thill den päpstlichen Beistand nutzen, um bei der Unesco die Anerkennung des Tanktourismus als immaterielles Weltkulturerbe zu beantragen.

Nach dem Abstecher auf die Aire de Berchem geht es wieder Richtung Hauptstadt, wo ein Besuch der Fußgängerzone auf dem Programm steht. Dort will Lydie Polfer dem Papst, der sich nach Franz von Assisi benannte, die Vorzüge des hauptstädtischen Bettelverbots erläutern. Léon Gloden soll im Vorfeld klären, ob Bettelorden der organisierten Bettelei zugeordnet werden können. Die Polizei soll sich sicherheitshalber in Bereitschaft halten.

Wenn Gilles Roth nicht mit dem Papst speisen darf, gönnt er sich einfach eine Pizza. (Foto: Facebook)

Anschließend steht ein Besuch im Parlament an. Damit die Abgeordneten in ihrem hohen Haus nicht zu abgehoben rüberkommen, wird die Begrüßung des Ehrengastes Michi Wolter übertragen. In vertrauter Manier soll der Doyen der „Chamber“ den Pontifex mit einem gepflegten „Moien, du Aasch, bass du och elo hei“ willkommen heißen. Dem bodenständigen Argentinier dürfte dies gefallen, da sind sich die Kommunikationsstrategen der Regierung sicher.

Bevor es in der Folge in den großherzoglichen Palast geht, wo eine Audienz für – oder von – der Frau des Großherzogs ansteht, wird dem Pontifex von Starköchin Léa Linster eine Madeleine kredenzt. Hofkünstler Jacques Schneider übergibt dem Heiligen Vater derweil ein eigens für diesen Anlass designtes T-Shirt. Darauf ist Franzikus‘ Konterfei zu sehen, mit im Hintergrund der „Gëlle Fra“. Darauf braucht auch ein Papst mal eine Stärkung und die gibt es auf der „Schueberfouer“.

Von allen guten Geistern …

Iron Lydie lässt nämlich die Schobermesse extra bis Ende September verlängern. Zur Freude aller ist auch „Jean La Gaufre“ diesmal mit von der Partie. Nach einer schmackhaften Waffel geht es ins Finanzministerium, wo der Papst ein bilaterales Steuerabkommen unterzeichnet. Zum Dank für das steuerliche Entgegenkommen segnet Franziskus auch den Finanzplatz. Er soll künftig als Mekka für alle Talente dieser Welt gelten. Gilles Roth gefällt das.

Luc Frieden auch. Der kann es gar nicht erwarten, den Papst im Schloss in Senningen zu empfangen. Nicht, weil er so gläubig ist, das ist der Premier bekanntlich nur privat und auch dann nur manchmal. Luc Frieden ist einfach gerne in Senningen. Nach einem kurzen Kamingespräch weiß er denn auch von „flotte Gespréicher“ zwischen ihm und dem Pontifex zu berichten. Der Premier wirkt nur leicht irritiert, da der Papst offenbar den Senninger Geist so gar nicht spürte und stattdessen von irgendeinem Heiligen Geist sprach. Das Konzept der Unfehlbarkeit des Kirchen-CEOs gefiel dem „neie Luc“ dagegen sehr gut.

Nach diesem durchgetakteten Tagesprogramm bleibt Franziskus nur noch wenig Zeit, um sich bei einem kleinen Sushi-Essen mit Kardinal Jean-Claude Hollerich über Gott, die Welt und die Trennung von Kirche und Staat nach Luxemburger Modell zu unterhalten. Mit dem Tram geht es danach wieder nach Kirchberg, wo der Papst noch einen „Invité vun der Redaktioun“ bei „RTL“ und einen „Invité vum Dag“ bei „Radio 100,7“ für den Folgetag aufzeichnet. Medienpluralismus oblige. Dann endlich geht es mit dem Papamobil zum Flughafen, wo Xavier Bettel noch kurz vor dem Abflug ein Selfie mit dem Pontifex macht.

Einstimmigkeit in der DP

Apropos Xavier Bettel. Da ist er endlich wieder, der umtriebigste Außenminister, seit es nicht wiedergewählte Premiers gibt. Das Volk hatte sich schon Sorgen gemacht, war Xav doch während Tagen untergetaucht, sodass er sich noch nicht einmal zu den drängendsten Fragen der Weltpolitik positionieren konnte. Beantragter Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu, Anerkennung von Palästina, mit all dem musste sich Luc Frieden befassen. Dabei hat der CEO der „Luxembourg S.A.“ doch wirklich Besseres zu tun – etwa sich über Kinderarmut informieren. Da habe er noch viel zu lernen, gab #Luc bei „Radio 100,7“ zu. Gut, dass die Armutsbekämpfung keine Priorität seiner Regierung ist.

Doch zurück zur Palästina-Frage, die scheinbar innerhalb der DP für Unstimmigkeit sorgt. EU-Co-Spitzenkandidatin Amela Skenderovic war nämlich offensichtlich gar nicht einverstanden damit, dass ihre Partei im Luxemburger Parlament eine Motion zur Anerkennung des Staates Palästina nicht mitstimmte. „Shameful. Not in my Name“, kommentierte die 28-Jährige auf Instagram. Allerdings nur kurz, denn rasch war die – Zitat – „emotionale Reaktion“ wieder gelöscht.

Möglicherweise hing das auch damit zusammen, dass ihr Co-Spitzenkandidat Charles Goerens seiner jungen Kollegin die Komplexität des Nahostkonflikts erklärte – und vielleicht auch, dass es sich in der DP gemeinhin nicht gehört, aus der Reihe zu tanzen. Charles Goerens weiß davon ein Liedchen zu singen. Der 72-Jährge zeigte aber großes väterliches Verständnis für „die junge Generation“, die „viel Ungeduld“ habe.

„Sie versteht nicht, warum so ein blutiger Konflikt Jahrzehnte andauert und keine Lösung in Sicht ist. Beim Klimawandel ist das nicht anders“, so Charles Goerens im „Luxemburger Wort“, was super von der Opposition aufgenommen wurde. Den Vorwurf, dass er nicht stets respektvoll mit jedem, auch jüngeren Menschen und auch Frauen, umgehe, wies Charles Goerens bei „Radio 100,7“ allerdings vehement zurück. Er habe in seiner Karriere mit vielen Frauen zusammengearbeitet. Na dann … Schönes Wochenende!


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