Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Immer freitags blickt die REPORTER-Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Diese Woche: Das große Treiben vor der Sommerpause.

Die letzte Sitzungswoche im Parlament vor den Sommerferien ist immer etwas Besonderes. Stets vollgepackt mit Gesetzentwürfen, die unbedingt noch durchgedrückt werden sollen. Aber auch eine Gelegenheit, um zurückzublicken auf das Erreichte. Dieses Jahr versprüht die Endphase der parlamentarischen Aktivität aber ein besonderes Maß an Nostalgie. Denn die fünf letzten Jahre waren für das politische Luxemburg nicht business as usual. Erstmals eine « Gambia »-Koalition, erstmals eine Regierung unter Beteiligung der Grünen, erst zum zweiten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg keine Regierungsbeteiligung der CSV. Eines steht schon vor den Wahlen im Oktober fest: Dies wird es so nicht noch einmal geben.

So schwingt bei manchen Parlamentariern verständlicherweise noch etwas mehr Wehmut mit als sonst. In den sozialen Netzwerken wimmelte es jedenfalls von Abschiedsselfies von Abgeordneten, die sich für die Unterstützung ihrer Wähler oder auch nur für die gute Zusammenarbeit mit ihren Sitznachbarn bedankten. Nach dem 14. Oktober werden die Karten und die Sitzordnung am Krautmarkt neu gemischt. Und für manche wird es wohl kein zwangsläufiges « Au revoir » geben.

 

Politisch-medialer Endspurt

Der Endspurt vor der Sommerpause ist aber auch traditionell eine Gelegenheit für die Politik, sich von den sie sonst auf Schritt und Tritt begleitenden Journalisten zu verabschieden. Die Fraktionen laden zu Bilanzpressekonferenzen und die gekommenen Pressevertreter anschließend zum informellen Mittagessen ein. Auch die Minister erhöhen noch einmal die Taktzahl bei Pressekonferenzen, Konsultationen, Einweihungen und sonstigen Chancen zur Selbstdarstellung.

Die Regierung versammelt indes die Medienvertreter zum Anlass des letzten Briefings des Premiers vor der Sommerpause zum « Barbecue » im Hinterhof des Staatsministeriums ein. Die Hintergrundinformationen halten sich dabei zwar in Grenzen. Doch jedem, der schon immer einmal in praller Sonne « ee Wupp » mit Finanzminister Pierre Gramegna teilen oder bei einem kühlen Bier mit Etienne Schneider die Urlaubsplanung besprechen wollte, sei dieses Event ans Herz gelegt.

Mit der Tram von A nach B

Apropos pralle Sonne: Auch in der RTL-Redaktion muss es etwas heißer gewesen sein als sonst. Anders ist die spontan anmutende Push-Mitteilung vom Donnerstag nicht zu erklären: « Boaaa, wat ass dat waarm? Aktuell Temperaturen op RTL.lu! Schéckt eis Är, gär mat Foto! » Andererseits muss man in Zeiten von alternativen Fakten und « Fake News » dann doch festhalten: Die Kollegen vom Kirchberg hatten durchaus recht. Es war warm.

Auch bei der Einweihung der nächsten Tram-Etappe tummelten sich Politiker und Journalisten bei Hochsommerwetter. Neben den Selfies lieferten die Mandatsträger hierbei freundlicherweise massenweise Selbsterfahrungsvideos mit, damit jeder die bahnbrechende Erfahrung nachempfinden kann, wie man von A über C nach B bzw. von der Haltestelle « Paffendall/Rout Bréck » über « Theater » und « Faïencerie » bis zur « Stäreplaz » fährt. Von den begleitenden Protesten der Gewerkschaften gegen die Arbeitsbedingungen bei der Betreibergesellschaft Luxtram fehlte in den Bewegtbildern jedoch komischerweise jede Spur. Außerdem zeigt sich auf ein Neues, dass es mittlerweile (fast) nur noch Fans der Tram gibt. Und unter diesen Fans gibt es gleich mehrere Väter und Mütter des Erfolges.

Der « Held von Washington »

Apropos Erfolg: Lang, lang ist es her, aber endlich hat der « Held von Dublin » wieder zugeschlagen. Jean-Claude Juncker, Europas in die Jahre gekommener « Dealmaker », war bei Donald Trump, um den monatelang beschworenen « Handelskrieg » zu verhindern. Glaubt man den Reaktionen in den Medien, so hat er nicht nur heldenhaft seinen « Ischias » und den drohenden Krieg überwunden, sondern en passant und quasi im Alleingang die transatlantische Partnerschaft gerettet.

Europa freut und feiert sich seitdem selbst. So als ob dadurch die Kritik an der US-Klimapolitik, dem Muslim-Ban oder der Rassismus-Verharmlosung des « Commander in Chief » vergessen gemacht werden könnte. So als ob ein « Deal » mit Trump aus rezenter Erfahrung irgendetwas wert wäre. Obwohl, erstmal abwarten. Man weiß ja nie. Oder wie es der US-Präsident selbst ausdrücken würde: « I don’t know. We’ll see what happens… »

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