Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Augenrollende Staatschefs und fantastische Tierwesen.

Sammy ist tot. Das Wallaby, das die Luxemburger Medienlandschaft tagelang in Atem hielt, verstarb kurz nachdem total uneigennützige Tierschützer wie Daniel Frères seinem Ausflug in der Region Echternach ein jähes Ende bereitet hatten. Offiziellen Angaben zufolge litt das Beuteltier unter einer bakteriellen Erkrankung. So wie auch die anderen Wallabys, die sich mit Sammy eine Unterkunft teilten. Möglicherweise war die Haltung ohne Genehmigung im absolut natürlichen Lebensraum Consdorf doch keine so gute Idee. Doch wer weiß das schon.

Sammy mag eine bakterielle Krankheit in sich getragen haben, mutmaßlich war es aber auch der Medienrummel, der ihm letztlich so zusetzte, dass sein Körper nicht mehr mitmachte. Total unseriösen Informationen zufolge soll er auch die Anbiederungen der Politik nur schwer verwunden haben. Nicht nur war er ohne Einverständnis Thema im „Zirkus einer öffentlichen Parlamentssitzung“, wie Liz Braz sagen würde. Auch soll Sven Clement ihn beackert haben, bei den kommenden Wahlen doch für die Piraten anzutreten.

Die Partei bräuchte da noch einen bekannten Kandidaten im Ostbezirk, so Svennis Plan. Für Sammy aber war eine Kandidatur für die Piraten keine Option. Zu sprunghaft sei die Partei in ihrem politischen Handeln, soll er den anderen Wallabys gesagt haben.

Sammys Tod ist aber nicht nur eine traurige Nachricht für seine Besitzerin und für die Tierschutzpartei Piraten, sondern auch für die Luxemburger Presse. Denn worüber soll man denn nun berichten. Doch zum Glück gibt es da die Andalusische Trichternetzspinne, die in Reckingen/Mess aufgefunden wurde. Das offensichtlich namenlose Spinnentier – was nicht ist, kann ja noch werden, „RTL“ könnte da doch mal einen Leseraufruf starten – hat auf jeden Fall Potenzial zum Klick-Hit. Die Presse atmet auf, das Sommerloch – das sich offensichtlich schlimmer ausdehnt als einst das Ozonloch – kann kommen.

Xav alors!

Aber nicht nur diverse, süße Tiere werden im Sommerloch versenkt, sondern auch die Karriere von Xav, dem besten Bürgermeister der Welt. Ihm sagte ein namhafter Experte namens XB sehr gute Chance auf glanzvolle Ämter auf EU-Ebene voraus. Völlig überraschend gingen die Top-Jobs dann aber doch an andere.

Man kann nur festhalten, dass die hohe Diplomatie noch nicht reif für die „Xavittude“ ist – sprich: viel Smalltalk, wenig Inhalt. „He seems like a great guy to hang out for a beer with, but I doubt many around the table would entrust him with foreign affairs“, ächzte mutmaßlich ein Kollege gegenüber „Politico“. Retrospect berichtete.

Dabei tritt Xav in der Welt mindestens so diplomatisch auf, wie sein Vorgänger Jang. Den Bösewichten dieser Welt wird da auch mal vors Schienbein getreten. Die „Financial Times“ berichtete diese Woche über Xavs ganz eigenen „Merde alors“-Moment. Szene: Im Juli 2018 will der US-Präsident Donald Trump den Europäern in der NATO mal so richtig die Leviten lesen. „We need to discuss money“, drohte er oder die USA würden das Bündnis verlassen.

Donald Trump war so aufgebracht, dass auf dem Gipfeltreffen alle Beamten aus dem Raum geschickt wurden – nur die Staats- und Regierungschefs sollten bleiben. Der niederländische Premier Mark Rutte sollte für die Europäer sprechen: Trump loben und Besserung geloben. Doch einer hielt sich nicht ans Drehbuch.

Auftritt Xav: „On behalf of the one thousand proud men and women of the Luxembourg armed forces, I must object to your characterisation of us as freeloaders“, warf der damalige Premier „theatralisch“ dem Fiesling aus New York zu. Die Reaktion unter den Regierungschefs: „Everyone was rolling their eyes. And all it did was get Trump even more angry“, erzählte ein Beteiligter der „Financial Times“.

Last woman standing

Völlig unverständlich, dass Xav nach diesem Auftritt nicht automatisch zum Chef der EU befördert wurde. Dabei war er ja auch so nahe dran, den anderen Fiesling namens Putin zu besiegen – also für Frieden in der Ukraine zu sorgen. Die Retrospect-Redaktion glaubt aber auch weiterhin ganz fest an Xavs Friedensnobelpreis. #Believe

Südkorea hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Am schönsten aber sind dann doch die Mitbringsel von zu Hause. #Letzmakeithappen (Foto: Facebook/Xavier Bettel)

Luxemburg darf sich jedenfalls glücklich schätzen, einen solchen Außenminister zu behalten. Schließlich könnte er an anderer Stelle mehr Schaden anrichten. Einen Kollateralschaden der gescheiterten Karriereträume gibt es allerdings: Yuriko wird nicht Außenministerin und muss weiter mit Iron Lydie über die Tram streiten, das Gendern promovieren und Fotos mit Soldaten schießen.

Beziehungsweise müsste Yuriko das alles, doch ein Schienbeinbruch hindert sie daran. Da die Ministerin im „Home office“ ihres Amtes waltet, mussten unzählige Pressekonferenzen abgesagt und gefühlt das ganze Parlamentsprogramm leergeräumt werden. Es wird sich dabei doch nicht um einen Ermüdungsbruch handeln? Yuriko denkt jedenfalls wehmütig an die Zeit zurück, als sie sich nur mit einem einzigen Ministerressort herumschlagen musste.

Reif für die Insel

Und natürlich hat Xav keine Zeit, Yuriko auszuhelfen. Er musste zu einer ganz wichtigen Reise nach Südkorea, zusammen mit einer gewissen Stéphanie Obertin, die weiterhin dreist behauptet, Ministerin zu sein. Und als solche kommt man viel herum und bekommt viele spannende Dinge zu sehen.

Möglicherweise führt es das dynamische, liberale Ministerduo demnächst auch nach Rotterdam. Die Niederlande sind immer eine Reise wert, vor allem, wenn dort Liberale mit Rechtsextremen eine Regierung bilden. Und erst recht, wenn man von Luxemburg aus nun nicht mehr beschwerliche sechs – oder viereinhalb, wer will denn so kleinlich sein – Stunden mit dem Auto auf sich nehmen muss, sondern bequem und super klimaschonend fünfmal pro Woche mit der Luxair nach Rotterdam jetten kann.

Luxair-Oberpilot Gilles Feith hat eigens für die Route Luxemburg-Rotterdam ausgeklügelte Studien durchgeführt – also Google befragt – und kam bei „Radio 100,7“ zur Schlussfolgerung, wenn man solche kurze Strecken nicht mehr fliegen würde, dann wäre Luxemburg „eng Insel“. Und das sind wir ja bekanntlich nicht, wie uns immer wieder erzählt wird. Wir sind vieles, aber keine Insel. Und wenn doch, dann wenigstens eine mit „eppes Guddes ze drénken, e lëtzebuergesche Crémant“.

Stiefel für den braunen „Bulli“

Nicht so weit reiste Anfang der Woche der Chef des Landes. Nein nicht Heng, sondern der CEO, #Luc. Dem Vernehmen nach hatte der Premier sich während Tagen in seinem Büro eingeschlossen, um eine wichtige Frage zu klären: Was ist die korrekte Kleidung für den Besuch auf einem Bauernhof im schönen Enscheringen? Seine langjährige Erfahrung in der Privatwirtschaft half da leider nicht, fragen wollte er auch niemanden. Er weiß es schließlich sowieso besser.

Das Ergebnis: Luc sowohl under- wie overdressed. Pulli, aber mit Sakko, Jeans, aber mit Stiefeln. Man weiß nicht genau, wie sich der CEO seine landwirtschaftlichen Produktionsstätten vorstellt, aber jeden Fall rechnete er mit viel „Bulli“.

Moderne Landwirtschaft kommt ohne Stiefel aus. Aber Luc hat sie sich nicht umsonst neu gekauft: Beim Antrittsbesuch beim künftigen französischen Premier könnte ein Schutz gegen den braunen Sumpf nötig sein.…

#Luc macht auf jedem Parkett eine gute Figur. Serge kann da noch einiges lernen. Enscheringen ist halt nicht „d’Stad“. (Foto: Staatsministerium)

Doch wenn der neue alte Luc die Stiefel schon mal anhat, macht er damit vielleicht einen Abstecher ins beschauliche Differdingen. Dort könnte der CSV-Parteipräsident und Premier in Personalunion sich das „Gaardenhäischen“ von Roberto Traversini ansehen und sich selbst ein Bild davon machen, was sein Parteikollege Mischi einst als „den schlimmsten Umweltskandal, den das Land je gesehen hat“, bezeichnete.

Dafür sollte sich der Mischi übrigens jetzt entschuldigen, befand die Ex-und-jetzt-wieder-bald-Abgeordnete Djuna Bernard bei „Radio 100,7“. Das wäre „en Zeeche vu Gréisst an intellektueller Éierlechkeet“, so die Grünen-Politikerin. Doch von Mischi oder seinem neuen Parteipräsidenten ist das wohl eher nicht zu erwarten. „Ech hunn ëm aner Saache mech an dësen Deeg ze bekëmmere wéi déi dote Fro, an ech hu mech mat där Fro och net ofginn“, sagte „Luc in Boots“ bei „Radio 100,7“. Wobei wir wieder bei der Kleiderfrage und den Stiefeln wären.

Fristgerechte Antworten beim Staat

Apropos Stiefel: Solche benötigten die Staatsbeamten nicht, als sie Ende April in einem Dommeldinger Hotel für ihr Anliegen auf die Straße gingen – pardon, sich in einen Saal setzten. Das Treffen im „Make America Great Again“-Stil hatten wir eigentlich schon ganz vergessen. Nur gut, dass die CGFP diese Woche in einer Pressemitteilung nochmals auf die „äußerst erfolgreiche“ Kundgebung aufmerksam machte – ganz so wie es sich für emsige Staatsbeamte gehört, nur etwas mehr als zwei Monate nach besagtem Event.

Offensichtlich hatte man sich das Ganze in den Führungsgremien nochmals gut durch den Kopf gehen lassen und nutzte denn auch die Gelegenheit, sich gegen die „falsche Darstellung in einem Teil der Presse“ zu wehren, man wolle bei der Pensionsdebatte die Jugend nicht zu Wort kommen lassen. Natürlich dürfe die Jugend zahlen, ähm, mitreden, wenn es um die Renten geht. Man habe ja nur davor warnen wollen, den Kreis der Diskussionsteilnehmer allzu sehr auszuweiten, so die CGFP.

Zumindest da scheint sie mit der Ressortministerin auf einer Linie zu sein. Oder wie es Martine Daprez bei „Radio 100,7“ ausdrückte: „Ech fannen et scho mol interessant, datt d’CGFP lo direkt gesot huet, datt dat tripartitesméisseg misst organiséiert sinn, a wa si dat seet, da gi se jo mol dovunner aus, datt si mat um Dësch sinn.“

Die neue Ministerin für Gesundheit und Soziales macht halt keine Gefangenen – und dabei auch nicht Halt vor Regierungskollegen. Als ihre Parteifreundin Stéphanie Weydert sie im Parlament fragte, warum die Antwort der Ministerin auf ihre Anfrage zum Thema Autismus denn so kurz ausgefallen sei, erklärte Martine Deprez: Sie antworte immer gerne fristgerecht und auch detailliert. Leider aber hätten die Informationen aus dem Familien- und dem Bildungsministerium noch auf sich warten lassen. Auf Nachfrage bei besagten Ministern habe es dann geheißen, man schließe sich der Antwort des Gesundheitsministeriums an.

Tja, Martine Deprez ist es wohl noch aus dem Staatsrat gewohnt, schnell und präzise zu arbeiten, in der Regierung hat sie aber die Rechnung ohne den liberalen Koalitionspartner gemacht. In diesem Sinne: Nur kein Stress und vergessen Sie Ihre Stiefel nicht!


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