Neben der Ankündigung, ab 2021 nur noch in digitaler Form zu erscheinen, setzt das « Lëtzebuerger Journal » generell auf finanzielle Konsolidierung. Das betriebseigene Redaktionsbüro im Bahnhofsviertel steht zum Verkauf und soll dem Medienbetrieb dringend nötige Liquiditäten verschaffen.

« A vendre, bureaux de 447m² idéalement situés à Luxembourg-Gare », heißt es in der Verkaufsanzeige. Angegebener Preis: 3,62 Millionen Euro. Die Fotos lassen bereits vermuten, dass es sich um Räumlichkeiten eines Medienbetriebs handeln könnte. Und in der Tat: Das geräumige Büro in der Rue de Strasbourg gehört den « Editions Lëtzebuerger Journal ».

Dass das Zuhause der « Journal »-Redaktion zum Verkauf steht, bestätigt Direktor Claude Karger auf Nachfrage von REPORTER. Die Büroräume seien schon länger zu groß für die Belegschaft der Tageszeitung gewesen. Da die aktuellen Räumlichkeiten « ab sofort » für einen Käufer verfügbar sind, sei man bereits auf der Suche nach einem kleineren Büro, so Karger.

Gleichzeitig erhofft sich das Unternehmen durch den Verkauf natürlich wesentliche Liquiditäten, welche die neue Digitalstrategie der Zeitung finanziell absichern sollen (REPORTER berichtete). Ab 2021 soll das « Journal » nur noch online erscheinen. Weitere Details zum künftigen Auftritt der liberalen Tageszeitung sind bisher nicht bekannt.

Digitalisierung und finanzielle Konsolidierung

Kein Geheimnis ist, dass die Entscheidung des Verwaltungsrats zur Abschaffung der gedruckten Tageszeitung vor allem finanziell begründet ist. Die neue Strategie wird zwar massiv Druck- und Vertriebskosten einsparen. Gleichzeitig wird das « Journal » aber, zumindest kurzfristig, weniger Pressehilfe vom Staat erhalten. Auch die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft befinden sich im freien Fall und werden bei einer rein digitalen Publikation wahrscheinlich weiter sinken.

Die Kosten für die Printausgabe seien schon länger nicht mehr tragbar gewesen, sagte Direktor und Chefredakteur Claude Karger zu den Gründen für die Entscheidung. Allerdings verfüge das Unternehmen, das der DP-Stiftung « Centre d’Etudes Eugène Schaus » gehört, durchaus noch über « finanzielle Reserven ». Damit dürfte vor allem der Immobilienbesitz der « Editions Lëtzebuerger Journal » gemeint sein.

Das aktuelle Büro kauften die « Editions Lëtzebuerger Journal » laut den Bilanzen der Aktiengesellschaft im Jahr 2000 zum Preis von rund 49 Millionen Luxemburger Franken. In der Geschäftsbilanz von 2018 wurde die Immobilie mit rund 1,93 Millionen Euro bewertet. Der Gewinn der geplanten Veräußerung dürfte demnach beträchtlich sein.

Übrigens steht nicht nur die zweite Etage des Gebäudes, in dem sich die Redaktion des « Journal » befindet, zum Verkauf. Der gesamte Komplex an der Ecke Rue de Strasbourg/Rue Adolphe Fischer ist für einen neuen Besitzer zu haben, der bereit ist, die geforderte Summe von 17,28 Millionen Euro zu investieren.


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