In der „Wanteraktioun“ ist es diesen Winter eng. Die Notstruktur muss nicht nur die Wartelisten für männliche Geflüchtete kompensieren, sondern auch die Renovierung des „Foyer Ulysse“. Die Kapazitäten wurden erhöht, doch die Betreuung leidet unter der Überlastung.

Es ist Freitagabend, auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof eilen zahlreiche Menschen zum Zug oder Bus nach Hause. Einige Leute stehen vor der Post in kleinen Gruppen herum und warten auf ihren Bus. Einzelne haben ein Bier in der Hand, ein Mann bietet einer Frau stattdessen ein Stück Schokolade an. Doch sie warten nicht auf den Bus nach Hause. Sie nehmen den Bus zur Notschlafstelle in Findel – der „Wanteraktioun“, abgekürzt WAK. Und sie freuen sich nicht auf einen gemütlichen Feierabend auf dem Sofa, sondern sie erwartet ein Abendessen umgeben von überwiegend Fremden und eine Nacht in einem vollen Schlafsaal. Vielleicht mit 50 anderen Menschen, mit etwas Glück vielleicht auch nur mit 30.

Diesen Winter ist es dort besonders voll und entsprechend schwierig, eine ruhige Nacht zu verbringen. Ein Grund ist, dass allein reisende, männliche Asylantragsteller seit Monaten nicht mehr direkt ein Bett in einer Flüchtlingsunterkunft bekommen. Doch auch für andere Bevölkerungsgruppen ist die WAK im Notfall die einzige Schlafmöglichkeit. Seit der Öffnung der Struktur im November gibt es dort mit 300 Betten 50 mehr als im Vorjahr. Im Januar kam auch ein beheiztes Zelt mit 20 Betten hinzu. Dies hatte Familienminister Max Hahn (DP) aufgrund der niedrigen Temperaturen und der hohen Auslastung so entschieden.

Die WAK soll sicherstellen, dass niemand in der Kälte auf der Straße schlafen muss – und dort möglicherweise erfriert. Und der Platz wird gebraucht. Im Januar haben bis zu 290 Personen dort geschlafen, im Dezember waren es durchschnittlich 252 Personen. Doch schon bevor die WAK so überlastet war wie jetzt, mieden zahlreiche Obdachlose die Unterkunft. Aus Sicherheitsbedenken oder weil sie im Schlafsaal mit so vielen Menschen nicht schlafen können.

Unsichere Lage

Nathalie schläft lieber draußen als in der WAK, erzählt sie Reporter.lu. Sie fühle sich dort nicht sicher als Frau. Nach Möglichkeit versucht sie einen Platz in einem „Night Shelter“ zu bekommen: „Dort können sie einem auch besser helfen. Die WAK ist einfach zu groß.“ Auch Samuel sagt, seine psychischen Probleme würden die Notschlafstelle für ihn unerträglich machen. Der allgemeine Tenor ist: „Ich fühle mich nicht sicher.“

Es ist fantastisch, dass wir die WAK haben, aber es ist auch beschämend, dass wir nichts Besseres haben.“Marc Crochet, Caritas-Direktor

Lucien geht dagegen regelmäßig zur Unterkunft in Findel – in Ermangelung einer Alternative. Er klagt ebenfalls über die Zustände, die dort herrschen: Drogen, Diebstahl und schlechte Hygiene. Lucien hat den Eindruck, es werde gespart. Der Luxemburger fühlt sich dort nicht gehört: „Wenn der Minister zu Besuch kommt, macht er Fotos bei der Essensausgabe. Aber es interessiert ihn nicht, wie es eigentlich für uns ist.“ Besagter Minister Max Hahn betonte im Interview mit „RTL“, wie wichtig ihm die Armutsbekämpfung sei. „Mit oder ohne Bettelverbot geht es mir darum, die Obdachlosigkeit anzugehen“, so der DP-Politiker.

Der aktuelle Andrang in der Notunterkunft ist laut den Verantwortlichen auch nicht dem Bettelverbot zuzuschreiben. „Schon bei der letzten WAK waren wir gefährlich nah an der Auslastungsgrenze. Wir haben gemerkt, es könnte eng werden, und wir kannten die Entscheidung des damaligen Ministers [Jean Asselborn], dass allein reisende Asylantragsteller auf eine Warteliste und so vermehrt in die WAK kommen würden“, so Marc Crochet, Direktor der Caritas und Präsident der „Dräieck asbl“, welche die „Wanteraktioun“ verwaltet …