Ein russischer Oppositioneller versucht seit Jahren, internationalen Schutz in Luxemburg zu erhalten. Obwohl ihm in seinem Heimatland Gefängnis droht, scheiterte er immer wieder vor Gericht. Der Fall verdeutlicht die besondere Lage russischer Flüchtlinge im Land.

Sergey K. ist das, was man als einen von Gerechtigkeitssinn beflügelten Unruhestifter nennen kann. Und die sind in Wladimir Putins Russland nicht gerne gesehen. Der 54-Jährige wohnte zuletzt in Nordwestrussland in der Region Wologda. Dort hatte der gelernte Ingenieur nebenbei Jura studiert, um Menschen, die von den russischen Autoritäten drangsaliert werden, vor Gericht unter die Arme zu greifen.

Mit seiner Familie reiste er aber auch oft nach Luxemburg, um seine Mutter zu besuchen. Die gebürtige Italienerin lebt im Osten des Landes. „Wir hatten alle ein Visum, um ins Großherzogtum zu reisen, und sind ganz normal mit dem Auto durch Polen und Deutschland bis nach Luxemburg gefahren“, erzählt Sergey K. im Gespräch mit Reporter.lu.

Im Jahr 2018 entschied er sich dann, gemeinsam mit seiner Familie nach dem Urlaub nicht mehr nach Russland zurückzukehren. Die Familie befürchtete, dass die russischen Behörden Sergeys Nichte Nadheyda in einem Kinderheim unterbringen würden. Doch es ging auch um den politischen Aktivismus von Sergey K., der mehrmals bei Regionalwahlen als Kandidat für die Oppositionspartei „Jabloko“ angetreten war. Auch wegen seiner regierungskritischen Bloggeraktivitäten geriet er ins Visier der Behörden.

In der Heimat als Extremist abgestempelt

Seit 2018 gilt Sergey K. in seinem Heimatland offiziell als Extremist. „Ich habe Menschen geholfen, die von der Polizei traktiert wurden“, erklärt er im Gespräch mit Reporter.lu. In Luxemburg beantragte er internationalen Schutz. Doch obwohl die Familie einen Bezug zu Luxemburg hat und Sergey K. ein Jobangebot vorweisen kann, das er sofort nach Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung antreten könnte, verweigerten zuerst die Einwanderungsbehörde und dann auch die Gerichte den Antrag auf Asyl.

Aktuell ist auszuschließen, dass Russland als sicherer Herkunftsstaat oder sicherer Drittstaat angesehen werden kann.“Luxemburger Ministerium für innere Angelegenheiten

Und das, obwohl Sergey K. auch in Luxemburg keinen Zweifel an seiner regimekritischen Gesinnung aufkommen lässt. So beteiligte er sich lautstark an Kundgebungen vor der russischen Botschaft am Todestag von Alexej Nawalny …