Mindestens acht Abgeordnete verdienen neben ihrem Mandat mehr als 100.000 Euro hinzu. Das Parlament zählt somit deutlich mehr Topverdiener als in der vorigen Amtsperiode. Vor allem die Regierungsparteien stechen mit hohen Nebenverdiensten hervor.

Die Nebenverdienste von Patrick Goldschmidt dürften selbst Léon Gloden vor Neid erblassen lassen. Der DP-Politiker verdient neben seinem Grundgehalt als Abgeordneter mindestens 25.000 Euro monatlich. Damit rangiert er an der Spitze der Bestverdiener im Parlament. Patrick Goldschmidt ist da in guter Gesellschaft: Seine Kollegen und Kolleginnen aus dem Schöffenrat der Hauptstadt folgen ihm nämlich auf den weiteren Spitzenplätzen. Dies wird aus den Erklärungen zu den finanziellen Interessen der Abgeordneten ersichtlich, die Reporter.lu untersucht hat.

Als Schöffe und Abgeordneter hat Patrick Goldschmidt Anrecht auf einen politischen Urlaub von 40 Stunden pro Woche. Damit ist er eigentlich hauptberuflicher Politiker. Am meisten verdient er allerdings mit seiner Nebentätigkeit als Wirtschaftsprüfer. Als einziger Abgeordneter des Luxemburger Parlaments gibt der DP-Politiker an, jährlich mehr als 200.000 Euro mit einer Nebentätigkeit zu verdienen. In der vergangenen Legislatur waren nur Léon Gloden (CSV) und Marc Hansen (Déi Gréng) in diesem Fall, wie Reporter.lu damals berichtete.

300.000 Euro neben dem Mandat

„Das habe ich mir schon gedacht“, sagt Patrick Goldschmidt, darauf angesprochen, dass er die Rangliste der Nebenverdiener anführt. Anders als bei den früheren Topverdienern häufen sich beim liberalen Politiker allerdings die Mandate. Der Abgeordnete sitzt in zehn Verwaltungsräten von Tochtergesellschaften des niederländischen Konzerns „Heerema“. Für diese Posten erhält er jedoch laut seiner Erklärung keine direkte Vergütung. Nutznießer sei sein Wirtschaftsprüfungsunternehmen „Goldschmidt & Associates“, dessen Angestellter er sei, erklärt er auf Nachfrage von Reporter.lu.

Ausschlaggebend für die hohen Nebenverdienste von Patrick Goldschmidt ist denn auch sein zweites politisches Mandat. Als Schöffe der Hauptstadt verdient der DP-Abgeordnete zusätzlich rund 67.500 Euro jährlich. Hinzu kommen noch das Mandat als Vorsitzender des Gemeindesyndikats „Sidor“ und der Vorstandsposten bei „Minett-Kompost“. Für beide Posten zusammen erhält Patrick Goldschmidt laut Recherchen von Reporter.lu rund 28.300 Euro im Jahr. Für die Stadt Luxemburg sitzt er zudem im Verwaltungsrat von „Luxtram“, „Carsharing Luxembourg“, „Hotcity“ und „Luxexpo“. Seine Vergütung dafür soll laut seinen Angaben jeweils unter 5.000 Euro jährlich liegen. Insgesamt häuft der DP-Politiker damit fast 300.000 Euro an jährlichen Nebenverdiensten an. Bei allen genannten Summen handelt es sich um Brutto-Einkünfte.

„Es sind Sieben-Tage-Arbeitswochen und viele Stunden“, sagt der liberale Abgeordnete zu der Arbeitslast. „Ich bin neu im Parlament und muss mich noch an die Tätigkeiten gewöhnen“, betont er. Manche gewohnte Agenda passe noch nicht zu den Parlamentsterminen. Gerade die Posten bei Sidor und Minett-Kompost seien mit einer Sitzung monatlich vergleichsweise arbeitsintensiv.

Schöffenrat der Spitzenverdiener

Doch auch die Kollegen von Patrick Goldschmidt aus dem hauptstädtischen Schöffenrat, die alle ebenfalls Mitglieder des Parlaments sind, können nicht über ihre Nebenverdienste klagen. Sie gehören allesamt zu den Spitzenverdienern unter den Abgeordneten. Für ihre Arbeit in der Hauptstadt erhalten die Schöffen jährlich rund 67.500 Euro. Lydie Polfer verdient als Bürgermeisterin indes 100.500 Euro. Trotz dieser beträchtlichen Vergütung ist Lydie Polfer allerdings nur die Abgeordnete mit dem vierthöchsten Nebenverdienst …