Déi Lenk haben vier Wahlen in Folge verloren. Grund sollen die schlechte Kommunikation der Partei und der allgemeine Rechtsruck sein. Fest steht: Die Linken befinden sich in einer Krise und gestehen sich das nur langsam ein. Doch die Aufarbeitung hat begonnen.

„Keng Zäit fir laang ze driibsen“, so betitelten Déi Lénk ihre Pressemitteilung nach den Europawahlen. Der „Vote utile“ habe ihnen den Wahlerfolg gekostet. Wähler hätten sich demnach eher für die Grünen oder die LSAP entschieden, um die Wahrscheinlichkeit eines Sitzgewinns für die ADR zu verringern. Als weiteren Grund nannten die Linken, wie fast nach jeder Wahl, ihre schlechte Kommunikation und dass man die Wähler nicht erreichen würde. Doch weder konnte am 9. Juni der Sitz für die ADR im Europarlament verhindert werden, noch reichen diese Ansätze als Erklärung für die Wahlverluste der Partei aus.

3,15 Prozent. Nur bei den Europa- und den Nationalwahlen im Jahr 2004 und der Europawahl 1999 hatten Déi Lénk noch schlechter abgeschnitten als bei der vergangenen Wahl. Doch 1999 war das erste Mal, dass die Linken überhaupt antraten und 2004 geschah das zum ersten Mal ohne die Unterstützung der Kommunistischen Partei (KPL). Das Ergebnis von Déi Lénk bei der vergangenen Europawahl ist historisch schlecht und wirkt sich auch auf die Finanzen der Partei aus, die fortan weniger Unterstützung vom Staat erhält.

Im Gespräch mit Reporter.lu versuchen Mitglieder, erste Erklärungsversuche für die erneute Wahlschlappe zu geben. „Es ist müßig, zu behaupten, es liege nur an der Kommunikation“, sagt Alija Suljic. Der Kandidat der Linken bei der Europawahl sieht ein tiefergreifendes Problem: die Verbundenheit der Arbeiterschaft mit der Partei.

Fehlendes Klassenbewusstsein

Nach jeder Wahl stellt sich erneut die Frage, wie die Linken ihre natürlichen Verbündeten erreichen könnten. Denn in der Eigendarstellung gibt es mehr als genug Gründe, die Partei zu wählen. Die Krisen der letzten Jahre belasteten stark die Geldbeutel der Arbeitnehmer. Das Armutsrisiko in Luxemburg steigt seit Jahren und die Schere zwischen Arm und Reich klafft jedes Jahr weiter auseinander. Mehr Wähler hat das den Linken jedoch nicht gebracht.

Eine Partei ist kein Serviceprovider, den man wechselt, wenn man mit einer Dienstleistung unzufrieden ist.“David Wagner, Abgeordneter von Déi Lénk

Niemand hat eine klare Antwort, warum man diese Wähler nicht erreicht. „Von allen Parteien in Luxemburg haben wir die stärkste Verbundenheit mit den Arbeitnehmern“, meint David Wagner im Gespräch mit Reporter.lu. Trotzdem gelingt es seiner Partei nicht, diese auch zu überzeugen. Aus der „Polindex“-Studie der Universität Luxemburg geht etwa hervor, dass rund 45 Prozent der ADR-Wähler zur Arbeiterklasse oder zur unteren Mittelschicht gehören. Unter den Wählern der Linken macht diese Gruppe hingegen nur rund 25 Prozent aus …