Der Luxemburger IT-Dienstleister „G-Core Labs“ arbeitet häufig mit staatlichen Akteuren zusammen. Rezentes Beispiel ist ein „KI Cluster“ gemeinsam mit dem Datenzentrum-Betreiber „Luxconnect“. Die russischen Verbindungen der Firma sowie ihre Lobbyarbeit werfen Fragen auf.

Immer wieder gerät der IT-Dienstleister „G-Core Labs“ in die Schlagzeilen. Anfang 2023 berichtete Reporter.lu über die russischen und belarussischen Verbindungen des Unternehmens. Damals ging es um den Verdacht, dass die Firma über ihre Netzwerke europäische Sanktionen gegen den russischen Propagandasender „Russia Today“ verletzt haben könnte. Zudem hatte ein russischer Manager von G-Core gegenüber dem russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew über die Unterwanderung des Luxemburger Staates gewitzelt. Der Hintergrund: G-Core hatte die Telemedizin-Plattform der staatlichen „eSanté“-Agentur entwickelt. Das Unternehmen aber stritt damals die Vorwürfe ab und wies darauf hin, dass die Verbindungen nach Russland mittlerweile gekappt seien.

Nun sollen es positive Schlagzeilen sein. Im Oktober kündigte G-Core die Gründung eines „Generative AI Clusters“ an, das im staatlichen Datencenter „Luxconnect“ untergebracht ist. Das Ziel des Projekts: Andere Firmen sollen die Server von G-Core benutzen, um dort den Umgang mit künstlicher Intelligenz erst zu trainieren und die KI dann in ihrem Sinne arbeiten lassen. Die Zusammenarbeit wurde in der Presse hochgelobt. Im „Luxemburger Wort“ war etwa von einem „Goldrausch“ in Sachen künstlicher Intelligenz die Rede. Fragen nach den Risiken, welche die Zusammenarbeit mit G-Core mit sich bringen könnte, blieben aus.

Verfahren mittlerweile eingestellt

Nach der Berichterstattung über den Verdacht auf Sanktionsumgehung, unter anderem in der Zeitung „Taz“ und beim Recherchenetzwerk „Correctiv“ hatte der „Service Média et Communication“, der dem Premierminister unterstellt ist, vergangenes Jahr die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Das Verfahren wurde aber inzwischen eingestellt, aus „Mangel an Elementen, welche die Schlussfolgerung zugelassen hätten, dass effektiv eine Straftat begangen wurde“, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage von Reporter.lu mitteilte.

Die Fragen nach den russischen Verbindungen bleibt aber aktuell. Denn das Unternehmen ist alles andere als „Made in Luxembourg“. 2014 in Wien gegründet, siedelte G-Core bereits im darauffolgenden Jahr nach Contern um. Das Kapital der Firma stammt aber aus Belarus. Hinter G-Core stehen nämlich die Minsker IT-Unternehmer Viktor Kislyi und Nick Katselapov …