Eigentlich ist genau festgelegt, wie viel Zeit Kinder in der Grundschule mit Hausaufgaben verbringen dürfen. In der Praxis ist der Arbeitsaufwand wegen ausufernder Lehrpläne aber oft viel höher als erlaubt. Seitens der Politik fehlt es an einem klaren Konzept.

„Endlich etwas Handfestes“, dachte sich Joëlle Damé, als Mady Delvaux-Stehres festlegte, dass man Schülern erst ab dem dritten Schuljahr Hausaufgaben auferlegen darf. Diese sollten auch nicht mehr als zwei Stunden pro Woche in Anspruch nehmen und wenn möglich nur dienstags und donnerstags aufgegeben werden, so die Vorgabe der damaligen LSAP-Bildungsministerin im Jahr 2005. Die Präsidentin des „Syndikat Erzéiung a Wëssenschaft“ (SEW) des OGBL begrüßte diesen Schritt. Zuvor hatten sich nämlich Eltern bei ihr beschwert, dass sie ihren Kindern nicht ausreichend Hausaufgaben erteilen würde.

Über zu wenig Hausaufgaben können sich viele Eltern heutzutage hingegen nicht beklagen. „Mein Kind ist im Zyklus 3 und muss jeden Tag rund zwei Stunden mit Hausaufgaben verbringen“, sagt etwa ein Vater im Gespräch mit Reporter.lu. Trotz der Leitlinien des Ministeriums ist der Arbeitsaufwand heute für viele Kinder viel größer als vorgesehen.

In der Theorie ist zwar genau festgelegt, wann und wie viele Hausaufgaben aufgegeben werden dürfen: Hausaufgaben sollen die Autonomie der Kinder fördern, jedoch im dritten Zyklus nicht mehr als drei und im vierten Zyklus nicht mehr als vier Stunden pro Woche in Anspruch nehmen. Zudem sollen die Schüler nicht auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen sein, um sie zu erledigen, und sie sollen individuell an die Bedürfnisse der Kinder angepasst sein. Diese Richtlinie steht in jeder „Circulaire de printemps“ des Bildungsministeriums.

Überforderte Lehrerschaft

In der Praxis ist diese Vorgabe aber wohl nur in den wenigsten Klassen in Luxemburg umsetzbar. „Die Lehrer geben den Druck, mit dem Lehrplan bis Jahresende fertig zu werden, an die Schüler weiter“, sagt gegenüber Reporter.lu der Vater, der selbst auch im Bildungswesen arbeitet. Haben Lehrer also keine andere Wahl, als Hausaufgaben für diesen Zweck zu missbrauchen?

„Die Frage sollte eher sein: Sind wir nicht dabei, unsere Lehrpläne zu überladen“, sagt dazu Patrick Remakel im Gespräch mit Reporter.lu. Der Vorsitzende des „Syndicat National des Enseignants“ (SNE), das der Staatsbeamtengewerkschaft CGFP angehört, prangert die wachsenden Anforderungen an die Schule an. „Es ist bereits schwierig, alle Grundlagen zu vermitteln. Da bleibt für gesellschaftliche Themen oder etwa das Lernen von Programmieren keine Zeit“, pflichtet Joëlle Damé vom SEW ihm bei.

Das Konzept scheitert daran, dass es keine Hausaufgabenhilfe, sondern eine Hausaufgabenbetreuung ist.“Verantwortlicher einer „Maison Relais“

Beide Gewerkschafter sind sich jedoch einig, dass Hausaufgaben auf keinen Fall dafür genutzt werden dürfen, um den Lehrplan zum Abschluss zu bringen. „Das würde die Ungerechtigkeit im Schulsystem nur noch weiter verschlimmern …