Der Drogenmarkt befindet sich im Wandel. Kokain dominiert, während Heroin abnimmt. Das größte Risiko sind jedoch synthetische Opioide. Das droht laut Experten auch die Luxemburger Drogenszene zu verändern. Polizei und Gesundheitsbehörden warnen vor den Folgen.

Ein verregneter Montagnachmittag in Bonneweg. Vor dem Drogenhilfezentrum „Abrigado“ tummelt sich ein halbes Dutzend Menschen. Manche rauchen in Ruhe eine Zigarette, andere wirken nervös, können kaum länger als zwei Sekunden auf der Stelle stehen bleiben. Vor einem Mülleimer sitzend, sucht ein Mann seine Arme nach einer freien Vene ab.

Ob er sich Heroin, Kokain oder beides spritzen wird, ist ungewiss – wahrscheinlich weiß er es selbst nicht so genau. Denn die meisten Süchtigen, die hier Drogen zu sich nehmen, sind sogenannte Mischkonsumenten. Cocktails aus Heroin, Kokain und Streckmitteln sind eine gängige Mixtur. Bisher zumindest.

Dass die Stoffe, die hierzulande geraucht oder gespritzt werden, in Zukunft andere sein könnten, liegt an Ereignissen, die sich Tausende Kilometer weit weg von den Containern in der Luxemburger Hauptstadt zutragen. Die Akteure – von Gesundheitsbehörden bis Polizei – warnen vor den Konsequenzen.

Von Afghanistan über Kolumbien

So hatte etwa die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im Sommer 2021 auch Auswirkungen auf den Drogenmarkt. Nach UN-Angaben wurde die Opiumproduktion aufgrund von Verboten der neuen Machthaber in der Folge um 95 Prozent gedrosselt. Afghanistan war aber seit Jahrzehnten einer der Hauptproduzenten von Schlafmohn, die Basis für das Heroin auf dem Weltmarkt. Bis heute sind die afghanischen Bauern, die über Generationen den Mohn anpflanzten, große Leidtragende der extremistischen Taliban-Politik.

Die synthetischen Stoffe sind klar auf dem Vormarsch und werden den Drogenmarkt der Zukunft mitbestimmen.“Alain Origer , nationaler Drogenkoordinator

Auf der anderen Seite des Planeten gab es ebenfalls geopolitische Verschiebungen mit Folgen für den Drogenhandel. Als 2016 in Kolumbien die Rebellen der FARC einen Friedensvertrag mit der dortigen Regierung schlossen, gaben sie auch die Kontrolle über den Kokainhandel auf.

Die Nische füllte sich schnell mit neuen, dezentral operierenden Gruppen, die viel effektiver agieren als die straff organisierten Guerilleros. Diese neuen Banden entwickelten andere Schmuggelmethoden und vernetzten sich effektiver mit der süd- und der osteuropäischen Mafia …