Ein Händler für Medizinprodukte betrog die Gesundheitskasse CNS um knapp 200.000 Euro. Der Unternehmer wandte mehrere Maschen an, etwa auch über das System des „Tiers payant“. Trotz eindeutiger Anzeichen dauerte es fünf Jahre, bis der Betrug aufflog.

Die „Caisse nationale de santé“ (CNS) sorgte in den vergangenen Jahren wiederholt für Schlagzeilen, weil sie Opfer eines umfassenden Betrugsschemas wurde. Anfang 2019 drang an die Öffentlichkeit, dass zwei Mitarbeiterinnen die nationale Gesundheitskasse um mehr als zwei Millionen Euro gebracht haben sollen. 2023 wurde ein Pflegedienstleister aufgrund eines mutmaßlichen Betrugs in Höhe von 2,5 Millionen Euro verhaftet. Der Prozess gegen einen Zahnarzt, gegen den wegen mutmaßlicher fiktiver Behandlungen ermittelt wird, steht ebenfalls noch aus.

Ein Urteil gibt es hingegen in einem bisher nicht öffentlich bekannten Betrugsfall, in dessen Zentrum ein Händler von medizinischem Bedarf steht. Anfang März dieses Jahres verurteilte eine Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg das Unternehmen „Medirel-Medtech“ zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro. Zudem muss die Firma laut dem „Jugement sur accord“, das Reporter.lu vorliegt, der CNS mehr als 80.000 Euro zurückzahlen.

Im Mittelpunkt der Affäre stand der damalige Unternehmenschef, Guido T., der laut den Richtern dutzende Rechnungen fälschte und so gemeinsam mit seiner damaligen Geliebten die Gesundheitskasse um über 200.000 Euro brachte. Der frühere Geschäftsführer von Medirel ist mittlerweile verstorben. Seit März 2022 hat die Firma neue Teilhaber und eine neue Geschäftsführung. Die heutigen Verantwortlichen waren in die Geschehnisse nicht involviert und sind laut Aussage der CNS seitdem auch nicht auffällig geworden.

Kriminelle Methoden, komplexe Ware

Das Urteil zeigt, wie der frühere Geschäftsführer mit teils rudimentären Fälschungen hohe Summen von der CNS ausbezahlt bekam. Bis zum Jahre 2019, als bei einer Stichprobenkontrolle auffällige Rechnungen entdeckt worden seien, wie die CNS auf Nachfrage von Reporter.lu mitteilt. Im Prozess ging es um den Zeitraum 2014 bis 2019, doch der Betrug könnte bereits früher begonnen haben. Da nur Rechnungen der vergangenen fünf Jahre archiviert werden, hätten die Vorgänge zuvor nicht mehr überprüft werden können, so die CNS.

Erst im März 2019 begann die CNS, konkrete Nachforschungen beim Unternehmen wegen der hohen Erstattungen anzustellen. Knapp vier Monate später erstattete die Gesundheitskasse Anzeige gegen den Händler …