Der Staat verdient pro Jahr über 65 Millionen Euro mit den Tankstellen an den Autobahnen. Doch der Ausstieg aus fossilen Energien macht die bisher einträglichen Konzessionsverträge zu einem Balanceakt. Auf dem Spiel steht auch das Ladenetzwerk für E-Autos.

Das Problem Tanktourismus löse sich von selbst, wenn ab 2035 immer weniger Verbrennerautos auf den Autobahnen unterwegs sind. Das redete sich zumindest die blau-rot-grüne Regierung ein. Bis es so weit ist, will der Staat weiter am Geschäft mit dem Sprit verdienen. Doch die Konzessionsverträge für die Autobahnraststätten zeigen, dass dabei viele Unwägbarkeiten auftreten.

Im Oktober 2023 hat das Mobilitätsministerium die Konzessionen für die Aire de Capellen – in beide Fahrtrichtungen – neu ausgeschrieben. Die Ausschreibung für die Autobahntankstelle in Steinbrücken dauerte bis Anfang Februar. Beide Konzessionen laufen bis 2030 beziehungsweise 2031. Zu diesem Zeitpunkt sollen bereits die Hälfte aller Autos in Luxemburg elektrisch fahren – zumindest laut dem nationalen Klimaplan.

Dabei muss der Staat eine Gleichung mit mehreren Unbekannten lösen: Der Tanktourismus muss aufgrund der Klimaziele eingeschränkt, die Wirtschaftlichkeit der Raststätten garantiert und eine ausreichende Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität der Touristen aufgebaut werden. Dieser Balanceakt gelingt bisher nur mäßig. Mit „TotalEnergies“ zieht sich nun bereits ein großer Akteur aus diesem Markt zurück.

Auf sinkenden Umsatz ausgerichtet

Noch ist das Tankstellengeschäft für den Staat sehr rentabel. Seit 2016 brachten die Konzessionen über eine halbe Milliarde Euro ein. Die Unterhaltskosten halten sich mit 500.000 Euro pro Jahr derweil in Grenzen, heißt es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Die sehr hohen Einnahmen von mehr als 70 Millionen Euro pro Jahr aus den Jahren vor der Pandemie werden aber inzwischen nicht mehr erreicht. Die Zahlen für 2023 umfassen noch nicht jene des vierten Trimesters, doch hochgerechnet dürften sie leicht geringer ausfallen als 2022 (siehe Grafik).

Der Staat setzt auch in den nächsten Jahren darauf, dass die Autobahntankstellen weniger Umsatz mit Diesel und Benzin machen. Die Entwürfe für die Konzessionsverträge für beide Seiten der Raststätte an der A6 enthalten eine gestaffelte Abgabe pro Liter Sprit. Bereits ab 2025 werden drei Cent pro Liter mehr fällig, wenn das Volumen 72 Millionen Liter überschreitet. Diese Grenze sinkt bis 2030 – dem letzten Jahr des Vertrags – auf 41 Millionen Liter.

Das Ziel sei, die Kon­zes­si­ons­in­ha­ber dazu zu bewegen, weniger Sprit zu verkaufen, so die Erklärung des Mobilitätsministeriums von Yuriko Backes (DP) auf Nachfrage von Reporter.lu. Damit werde den Klimazielen Rechnung getragen …