Die Zeitenwende auf dem Immobilienmarkt bleibt nicht ohne Folgen. Während die Preise fallen, steigen die Kreditausfälle an. Die Banken sind laut ihren Bilanzen zwar gut gewappnet. Doch das Risiko einer tiefgreifenden Krise besteht weiterhin. Eine Analyse.

Immobilienpreise sind wie Hochwasser: Wo der Scheitelpunkt liegt, weiß man erst, nachdem der Höchststand erreicht wurde. Nachdem die Preise mittlerweile vier Quartale nacheinander gesunken sind und davor stagniert hatten, kann man diesen Höchststand wahrscheinlich im ersten Quartal 2022 festmachen. Doch erst 2023 schlug die Krise wirklich auf den Immobilienmarkt durch.

Einer der Gründe: Die Europäische Zentralbank (BCE) hob sukzessive die Zinsen an. Während die Festzinsdarlehen diese Entwicklung antizipierten, zogen die variablen Zinsen zeitverzögert nach. Auch deshalb brachen die Transaktionsvolumen erst gegen Ende 2022 und Anfang 2023 ein.

Ein Jahr später werden die Folgen der Zeitenwende auf dem Immobilienmarkt deutlich. Die Spuren der Krise finden sich ebenso bei den Preisen wie bei der Verschuldung der Haushalte und der Unternehmen. Überstanden ist die Krise noch nicht und ein schneller Aufschwung scheint unwahrscheinlich. Doch: Die schlimmsten Prognosen haben sich bisher nicht erfüllt.

Banken bleiben widerstandsfähig

Etwa bei den Bilanzen der Banken. Jüngst untersuchte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Auswirkungen des Zinsanstiegs auf die Banken. Ein Fazit: Die Kapitalreserven der meisten heimischen Banken reichen aus, um mögliche Kreditausfälle auszugleichen. Und: Selbst wenn die Situation sich verschlimmern würde, wären die Reserven der Kreditinstitute in Luxemburg wohl ausreichend, um eine systemische Krise abzuwenden.

Toutefois, et malgré les baisses récemment observées, l’ensemble des institutions a conclu à une surévaluation – à degré variable – des prix de l’immobilier résidentiel au Luxembourg.“
„Comité du Risque Systémique“

Konkret hat der IWF dafür ein Szenario von noch deutlich höheren Zinsen als Grundlage genommen. Das Resultat des Stresstests: Auch in diesem Fall könnten die meisten Banken die möglichen Kreditausfälle wohl verkraften. Ein Grund dafür sind die hohen Spareinlagen der Haushalte sowie die wachsende Profitabilität der Banken durch die steigenden Zinsen.

Dennoch fällt das Fazit über die systemischen Risiken bei den Immobilienkrediten in Luxemburg nicht nur positiv aus. Denn, so die Wirtschaftswissenschaftler des Währungsfonds: Risiken gibt es weiterhin. Und zwar bei den Haushalten und den Preisen …