Bereits kurz nach den Wahlen versprach Premier Luc Frieden eine Offensive im Wohnungsbau. Die Branche stellt hohe Erwartungen an den kommenden Baugipfel. Die Regierung hätte dabei durchaus Mittel, der Wohnungskrise entgegenzuwirken. Eine Analyse.

Seit dem 20. Dezember ist offiziell, was viele lange für unmöglich hielten: Die Immobilienpreise in Luxemburg sind deutlich gefallen. Bei Häusern im Bestand stellte die staatliche Statistikbehörde „Statec“ einen Rückgang von knapp 19 Prozent fest. Insgesamt gingen die Preise im dritten Trimester 2023 um über 13 Prozent zurück.

Mehr Sorgen als die sinkenden Preise macht jedoch der Rückgang bei der Bauaktivität. Um mehr als die Hälfte ging diese Aktivität im Jahresvergleich zurück, hinzu kommt ein ebenso starker Rückgang bei neuen Baugenehmigungen. Die Tendenz lässt soziale Verwerfungen zu befürchten. Bereits 2023 sorgten die Pleiten der Unternehmen „Cenaro“ und „Manuel Cardoso“ für Schlagzeilen. Wesentliche Besserung ist im neuen Jahr nicht zu erwarten. Jüngst wurde bekannt, dass „Stugalux Construction SA“ plant, 30 Prozent der Belegschaft entlassen.

Zwar sind die Zinsen für Immobiliendarlehen mittlerweile wieder etwas zurückgegangen, doch ob das ausreicht, um 2024 wirklich für einen Neustart auf dem Markt zu sorgen, ist ungewiss.

Eine historische Chance

Angesichts dieser Gemengelage auf dem Immobilienmarkt sind alle Augen auf die Regierung gerichtet. Vielleicht noch mehr als in den Vorjahren. Nicht nur war die Wohnungskrise eines der Hauptthemen des Wahlkampfs, die neue CSV-DP-Regierung hat das Thema selbst zum Kernproblem ihrer Amtszeit ernannt. Ein erster Lackmustest für dieses Versprechen dürfte der angekündigte Baugipfel darstellen, der voraussichtlich Ende Februar stattfinden wird.

Aktuell tauscht sich eine interministerielle Arbeitsgruppe mit den Akteuren des Bausektors aus, um den Gipfel vorzubereiten. Mitte Januar haben deshalb erste Treffen mit dem Gemeindesyndikat Syvicol und der Handwerkerkammer stattgefunden, wie das Wohnungsbauministerium auf seiner Internetseite mitteilt. Spätestens beim eigentlichen Baugipfel wird die neue Regierung Farbe bekennen müssen, welche konkreten Stellschrauben sie nutzen will, um den Wohnungsbau zu beschleunigen.

Die aktuelle Situation auf dem Immobilienmarkt ist für den Staat dabei vor allem eins: eine historische Chance, die es zu nutzen gilt. Denn noch nie war die Verhandlungsposition des Staates besser und noch nie war das Problembewusstsein für die Wohnungskrise derart gesellschaftlicher Konsens. Doch um wirklich einen Einfluss auf den Markt zu haben, wird es nicht reichen, lediglich einzelne Projekte von Immobilienentwicklern aufzukaufen. Ungewiss ist, ob die Steuervorteile, wie etwa die beschleunigte Steuerabschreibung oder der „Bëllegen Akt“, etwas bewirken könnten …