Wie gefährlich ist 5G? Verschwörungstheoretiker spinnen Geschichten rund um das neue Telekommunikationsnetz und verunsichern die Menschen dadurch. Die ADR hat eine solche Geschichte nun aufgegriffen – ohne sie zuvor zu prüfen. Ein Faktencheck. 

Hunderte Vögel sollen in Den Haag plötzlich tot vom Himmel gefallen sein. Der Grund: Sie sollen den aggressiven Strahlen des neuen 5G-Netzes zum Opfer gefallen sein. Was sich wie eine Szene aus einem Film anhört, soll Ende vergangenen Jahres passiert sein. Das war zumindest auf mehreren Internetplattformen und Social-Media-Seiten zu lesen.

Die Geschichte sollte der Beweis dafür sein, wie gefährlich 5G ist. Für die Natur, die Umwelt, die Menschen. Tatsächlich wird viel über die Auswirkungen der Strahlen diskutiert – auch in Luxemburg. Der ADR-Abgeordnete Fernand Kartheiser nahm sich des Themas in einer parlamentarischen Frage an. Er will wissen, ob die Luxemburger Regierung den 5G-Ausbau stoppen will, weil noch zu wenig über potenzielle Gesundheitsrisiken gewusst ist.

« Honnerte vu Vullen vum Himmel gefall »

Um seine Argumentation zu untermauern, greift er das Beispiel der toten Vögel von Den Haag auf. « Verschiddene Presseartikelen no solle bei Tester vum 5G an der Stad Den Haag an Holland honnerte vu Vullen dout vum Himmel gefall sinn. Kann d’Regierung esou Behaaptungen aus der Press confirméiren? », fragt Kartheiser.

Auch auf der Internetseite der ADR heißt es: « An der Belsch hu verschidden Autoritéiten de Projet 5G virleefeg gestoppt. An der Stad Den Haag an Holland, solle bei Tester vum 5G, souguer honnerte vu Vullen vum Himmel gefall sinn. Och hei am Land weisen sech vill Leit besuergt. »

Durch die Wortwahl der ADR wird praktisch ein direkter Zusammenhang hergestellt, zwischen den Ereignissen in den Niederlanden und den Sorgen der Menschen in Luxemburg. Doch die Ereignisse, auf die sich die ADR beruft, haben nie stattgefunden. Für ihre Darstellung gibt es keinerlei Belege.

Screenshot: ADR Onlineseite

Dementi von den örtlichen Behörden

Das Bild des Vogelsterbens ist aussagekräftig, es verängstigt – es ist aber faktisch falsch. Denn wie sich herausstellte, sind im Huygenspark der niederländischen Stadt gar keine Vögel an den Auswirkungen der 5G-Strahlen gestorben. In der Nähe gibt es zwar eine Antenne, allerdings handelt es sich hierbei um einen 4G-Sendemast. Gleich mehrere Behörden bestritten bereits vergangenen November, dass Mobilfunkstrahlen die Ursache für das Vogelsterben sein können.

Das « Antennebureau » der Niederlande teilte mit, dass gar keine 5G-Tests im Umkreis des Parks stattgefunden haben. Der Internetartikel, der einen Zusammenhang zwischen dem Vogelsterben und 5G schafft, sei falsch. Auch die Watchdog-Seite « Mimikama » zitiert die Stadt Den Haag mit einem Dementi: « Die niederländische Funkagentur hat uns bestätigt, dass es im Huygenspark keine 5G-Tests gegeben hat. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns noch keine weiteren Informationen über die mögliche Todesursache vor. »

Die niederländischen Testgebiete für 5G liegen in Amsterdam Zuidoost, in Drenthe, am Rotterdamer Hafen und entlang der Autobahn bei Helmond.

ADR räumt Fehler ein, Kartheiser rechtfertigt sich

Wie kommt Kartheiser dann zu dieser Aussage? Und werden solche Meldungen nicht im Vorfeld geprüft, bevor sie veröffentlicht werden? Bei der ADR nachgefragt, gibt es von einem Fraktionsmitarbeiter nur so viel als Erklärung: Es sei ein Fehler gewesen, im Vorfeld keine richtige Recherche zu dem Thema durchgeführt zu haben.

Fernand Kartheiser sieht die Sache dagegen entspannter. Auf Nachfrage von REPORTER sagt der Abgeordnete, dass er die Regierung lediglich fragen wolle, ob an der Geschichte in den Niederlanden überhaupt etwas dran sei. « Besteht nämlich dort ein Risiko, dann hat das natürlich auch einen Bezug zu Luxemburg », so Kartheiser. Immerhin sei Luxemburg dabei, sich auf 5G vorzubereiten.

Dabei hätte jedoch eine kurze Internetrecherche genügt, um zu wissen, dass die Geschichte um die durch 5G-Antennen vom Himmel gefallenen Vögel nicht stimmt. Auf welche Artikel oder Informationen er sich für seine Frage zum Vogelsterben beruft, kann Kartheiser nicht sagen. Das sei auch gar nicht so wichtig, so der Parlamentarier. Bei dem Beispiel aus Den Haag handele es sich lediglich um « ein Detail ». Er wünsche sich seinerseits auch, dass die Presse sich mit wichtigeren Themen beschäftige.

Der besagte Beitrag der ADR, in der sie wohl ohne Überprüfung bizarre Netztheorien aufgegriffen hat, stand am Donnerstag immer noch auf der Homepage der Partei. Auch wurde die auf der Falschmeldung basierende parlamentarische Anfrage zum Zeitpunkt des Abschlusses dieses Artikels nicht zurückgezogen.

Was wirklich mit den Vögeln geschah

Fakt ist: Im Huygenspark in Den Haag sind Ende Oktober und Anfang November über mehrere Tage hinweg Vögel tot aufgefunden worden. Hierbei handelte es sich ausschließlich um Stare. Wie die Fact-Check-Seite « Snopes » schreibt, sind die Vögel allerdings nicht einfach alle auf einmal vom Himmel gefallen, sondern morgens unter den Bäumen aufgefunden worden, in denen sie schliefen. Die Gemeindeverwaltung wies auch auf ihrer Facebook-Seite auf das Problem hin, sprach aber nie von 5G-Strahlen. Vielmehr ist man zunächst von einer Vergiftung der Tiere ausgegangen. Auch Hunde waren deshalb kurzzeitig im Park verboten.

Fakt ist auch, dass unklar ist, an was die Vögel letztlich gestorben sind. Es gibt keine abschließende Erkenntnisse, lediglich Vermutungen. Wie die Watchdog-Seite « Mimikama » berichtet, seien das Wageningen Bioveterinary Research (Lelystad), das Wildlife Health Center (Utrecht), die Erasmus University (Rotterdam) und die Universität Gent mit der Untersuchung beauftragt worden.  Erste Ergebnisse der Untersuchungen der Vogelauffangstation « Vogelopvang de Wulp » ergaben, dass die 20 untersuchten Vögel Giftstoffe im Körper hatten.

Screenshot: Vogelopvang de Wulp/Facebook

Fakt ist ferner, dass Den Haag am 5G-Ausbau festhält. Laut der dortigen Gemeindeverwaltung soll sie die erste Stadt der Niederlande werden, die 2020 komplett mit 5G ausgestattet werden soll. In einem Schreiben vom 19. Februar heißt es, dass man dieses Jahr mit der Einführung starten wolle. Ein genaues Datum für den Beginn wird dort nicht genannt.