Die Europawahl in Portugal findet vor dem Hintergrund des jüngsten Wahlsiegs der rechtspopulistischen Chega-Partei statt. Ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Diktatur und der demokratischen Revolution ist die extreme Rechte im Land wieder auf dem Vormarsch.

Von Hélder Gomes (Expresso)*

In dem Jahr, in dem sich der demokratische Aufstand zum 50. Mal jährt, wählten die Portugiesen 50 Abgeordnete der rechtsextremen Partei Chega, die sich auf die Nostalgie der Salazar-Diktatur beruft. Diese Koinzidenz zwischen dem halben Jahrhundert der Nelkenrevolution und dem Aufstieg der Chega ist symbolisch, lädt aber unweigerlich zur Interpretation ein. Vor allem räumt die Situation endgültig mit dem Mythos der portugiesischen Ausnahme auf – also mit der Vorstellung, dass Portugal irgendwie immun sei gegen den Aufstieg der extremen Rechten, den man in Europa und der ganzen Welt beobachtet. Es stellte sich heraus, dass es nur eine Frage der Zeit war – das Phänomen musste irgendwann auch in Portugal ankommen.

Im Jahr 2019, dem Gründungsjahr der Chega, wurde nur ein einziger Abgeordneter gewählt – André Ventura, ihr langjähriger Vorsitzender und ehemaliger Chef der sozialdemokratischen Mitte-Rechts-Partei (PSD). Bei den Parlamentswahlen 2022 stieg die Zahl ihrer Abgeordneten auf zwölf. Am 10. März dieses Jahres, ebenfalls bei vorgezogenen Wahlen, konnte die Chega ihre Parlamentssitze schließlich mehr als vervierfachen.

Der Flirt der rechtsextremen Partei mit der ehemaligen Diktatur nahm auf einem Parteitag Ende 2021, kurz vor den vorletzten Parlamentswahlen, Gestalt an, als Ventura das salazaristische Motto „Gott, Heimat und Familie“ wieder aufgriff und verkündete: „Wir sind die Partei Gottes, des Vaterlandes, der Familie … und der Arbeit …