Ein Aufpasser für den großherzoglichen Hof, die Vorgeschichte eines Gartenhäuschens, Piraten-Finanzen, dubiose Aktiendeals und einiges mehr: Wir präsentieren den Rückblick auf die zehn besten Stories, die in diesem Jahr auf reporter.lu erschienen sind.

In einem Jahr kann viel passieren – und viel geschrieben werden. Seit dem 1. Januar 2019 haben wir auf Reporter.lu mehr als 600 Artikel veröffentlicht. Manche davon waren kurze Stücke, einige wahre « Long reads »: viele unterschiedliche Blickwinkel aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.

Unter den Top Ten der besten REPORTER-Stories sind vor allem aufwändigere Recherchen, exklusive Hintergrundberichte sowie Themen, die wir fernab der grassierenden Aktualität aufgegriffen haben. Einige Artikel nahmen andere Medien und die Politik als Ausgangspunkt, um die Themen selbst weiter zu verfolgen – in manchen Fällen hält die Aufarbeitung noch an.

1. Regierung kontrolliert Personalpraxis des großherzoglichen Hofes

Die Personalpolitik des großherzoglichen Hofes sorgte in den vergangenen Jahren für viele Diskussionen und Medienberichte. Die hohe Fluktuation an Mitarbeitern alarmierte auch die Politik. Ende Juni 2019 ernannte der Premierminister mit Jeannot Waringo einen Sonderbeauftragten, der die Personalpraxis und andere Ausgaben am Hof durchleuchten soll. Unsere exklusive Recherche zu den Hintergründen war 2019 die meistgelesene Story auf Reporter.lu.

Auch die Weiterverfolgung des Themas interessierte unsere Leser. Dazu gehörte die Antwort des Hofmarschalls auf unsere Recherchen ebenso wie politische Reaktionen, ein genereller Überblick über den Kostenpunkt der Monarchie sowie ein Kommentar von REPORTER-Chefredakteur Christoph Bumb.

2. Frank Engel: Brisanter Nebenjob bei Militärunternehmen

Bereits Anfang des Jahres 2019 sorgte unsere Recherche zum Nebenjob des neuen CSV-Vorsitzenden Frank Engel für reichlich Diskussionen im politischen Betrieb. Was zu diesem Zeitpunkt nur wenigen Insidern bekannt war: Frank Engel saß während vielen Jahren im Aufsichtsrat der « Global Strategies Group », einem weltweit tätigen Militär- und Sicherheitsunternehmen. Im Zuge der Publikation des Artikels bezeichnete der CSV-Präsident REPORTER zunächst als « sogenanntes Presseorgan », trat dann aber aufgrund der Kritik von seinem Mandat im besagten Aufsichtsrat zurück.

3. Roberto Traversini: Der Bürgermeister und sein Haus im Grünen

Die Affäre um den ehemaligen Bürgermeister von Differdingen, Roberto Traversini, beschäftigte in den vergangenen Monaten Medien und Politik und führte zu einer latenten Regierungskrise. REPORTER war das erste Medium, das bereits im Juli über das Thema berichtete. Die Story von Laurent Schmit über Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit einem Bürgermeister-Anwesen im Grünen, dem wohl berühmtesten Gartenhäuschen des Landes und anderen Interessenkonflikten gehörte zu unseren meistgelesenen Artikeln.

4. Die Kehrseite des Erfolgs der Piraten

Die Piratenpartei gehört zweifellos zu den großen Gewinnern des Jahres 2019. Im Oktober 2018 erstmals ins Parlament gewählt, bestätigte die Partei bei den Europawahlen ihr neues Niveau in der Wählergunst. Gleichzeitig ging der Aufstieg der Piraten mit einer Aushöhlung des Parteiapparats und viel Unzufriedenheit an der Basis einher. Unser Hintergrundbericht über die Kehrseite des Erfolgs der Piraten – ebenso wie die Recherche von Charlotte Wirth zum problematischen Finanzgebaren der Partei – schaffte es so in die Top 5 der besten Stories in 2019.

5. Warum Luxemburgs Altenheime so teuer sind

Dass das Leben in Luxemburg von Jahr zu Jahr teurer wird, ist wohl kein Geheimnis. Die Folgen dieser Entwicklung haben jedoch sehr verschiedene Ausmaße. Ein Problem sind die Kosten der Alten- und Pflegeheime im Land. Dabei stehen die hohen Preise nicht immer in einem nachvollziehbaren Verhältnis zu den Gewinnen der Betreiber.

In Form einer systematischen Recherche beschäftigte sich Laurence Bervard in diesem Jahr mit der Problematik. « Warum Luxemburgs Altenheime so teuer sind » sowie die grafische Darstellung der landesweiten Preisunterschiede gehörten zu den besten REPORTER-Beiträgen des Jahres.

6. Blau-Rot-Grün baut Beamtenstaat aus

Mit der Neuauflage der Dreierkoalition im Oktober 2018 ging auch ein Ausbau des Beamtenstaats einher. Wie REPORTER in mehreren Beiträgen berichtete, nahmen die Nominierungen von politischen Beamten durch DP, LSAP und Déi Gréng nach ihrer Wiederwahl fast schon historische Ausmaße an. In seiner Analyse « Wider den grenzenlosen Beamtenstaat » beschäftigte sich Christoph Bumb zudem mit einer möglichen Reform der besonderen luxemburgischen Gesetzgebung in diesem Punkt.

7. Eine Partei vor der Zerreißprobe

Wie die Parteien sich nach den vergangenen Parlamentswahlen neu aufstellten, berichtete und analysierte REPORTER in den vergangenen Monaten immer wieder. Die CSV ist dabei ein Sonderfall. Nach der verpassten Chance zur Rückkehr in die Regierung, entstand in der stolzen Volkspartei ein machtpolitisches Vakuum. Der ausführliche Hintergrundbericht « Eine Partei vor der Zerreißprobe » wirft Blicke hinter die Kulissen einer Partei, die sich mit der Erneuerung schwer tut.

8. Der Millionendeal um eine Maison relais

Ein weiteres Beispiel für eine Problematik, die wir bei REPORTER als erste aufgriffen, ist die Kontroverse um zwei Großbauprojekte in der Gemeinde Diekirch. Wie Michèle Zahlen und Laurence Bervard über mehrere Wochen berichteten, erhielt hier ein Bauunternehmer mit politischer Unterstützung mehrere lukrative Aufträge. Doch im Vorfeld wurden offenbar nicht in allen Punkten die ordentlichen Verfahren eingehalten, wie die weitere Verfolgung des Themas kürzlich zeigte.

9. La Ville sanctionnée à une lourde amende

Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Stadt Luxemburg zu einer Strafzahlung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro verurteilt wird. Im Fall der Suche nach einem Betreiber für die altehrwürdige Maison Lassner in der Hauptstadt, war allerdings genau das die Folge. Die genauen Hintergründe erklärte unsere neue Journalistin Véronique Poujol in ihrem ersten Beitrag für REPORTER im vergangenen Oktober.

10. Verdacht auf Steuerbetrug in Millionenhöhe

Dubiose Aktiengeschäfte, jahrelange Ermittlungen der Justiz, mehrere Hausdurchsuchungen, Steuerausfälle für den Staat: Bis zur wochenlangen Recherche von REPORTER gab es keine Belege dafür, dass die Spuren des sogenannten Cum-Ex-Skandals auch ins Großherzogtum reichten. Im Exklusiv-Bericht « Verdacht auf Steuerbetrug in Millionenhöhe » rekonstruiert Laurent Schmit im Detail die Verbindungen von einem der Drahtzieher nach Luxemburg. Zudem deutet vieles darauf hin, dass die dadurch aufgedeckten Strukturen kein Einzelfall sind.

 


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