FFP2-Masken sollen Risikopatienten, Ärzte und Pfleger vor dem Coronavirus schützen. In Luxemburg sind aber weiterhin Masken zweifelhafter Qualität im Gebrauch. Trotz Verbot verkaufen Händler weiter nicht-konforme Produkte. Die Regierung reagiert zu spät und zu zögerlich.

Es wirkte wie eine kleine Randnotiz mitten im August. Die „Direction de la Santé“ rief vergangene Woche Atemschutzmasken zurück, die die Behörde zuvor unter anderem an Zahnärzte verteilt hatte, berichtete RTL. Tests ergaben, dass die Masken nicht die Filterwirkung hatten, die vorgeschrieben ist. Träger waren einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

270.000 mangelhafte Masken hatte die „Santé“ verteilt. Allerdings seien die meisten noch nicht benutzt worden, heißt es auf Nachfrage vom Gesundheitsministerium.

Dieser Rückruf überrascht. Mitte Juli fragte der CSV-Abgeordnete Claude Wiseler die Regierung, wie sie mit dem Problem mangelhafter und gefälschter Masken umgehe – mit Bezug auf Recherchen von REPORTER. Die Antwort von Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Wirtschaftsminister Franz Fayot Anfang August: Die Regeln seien klar und seit Ende des „état de crise“ habe es keine Probleme mehr gegeben.

Rückruf im August, trotz Warnung im März

Diese Angaben waren bestenfalls beschönigend. Denn Zweifel an der Qualität der Atemschutzmasken, die der Staat einkaufte, erwähnen die beiden LSAP-Minister nicht. Dabei ließ die „Santé“ im Juli Masken in einem belgischen Labor testen. Dazu kommt: Die zuständige Behörde Ilnas hat große Mühe, nicht-konforme Masken aus dem Einzelhandel zu ziehen, wie Recherchen von REPORTER zeigen.

Vom Rückruf der „Santé“ sind Masken der Marken „Anhui Changli“ und „Jinlilais“ betroffen. Die mangelhafte Qualität letzterer ist aber nicht neu: Die niederländische Gesundheitsinspektion warnte bereits am 31. März vor Produkten des Herstellers „Putian Jinlilais Clothing Weaving“.

Mit dem Rückruf entsteht dem Staat bei einem Einkaufspreis von leicht unter zwei Euro pro Maske ein Schaden von schätzungsweise 500.000 Euro. Der Staat prüfe rechtliche Schritte gegen den Verkäufer der mangelhaften Produkte, betont das Gesundheitsministerium …