Die Industrie klagt über zu hohe Strompreise. Schuld ist der Ukrainekrieg, aber auch die schwierige Energiewende in Deutschland, das Luxemburg beliefert. Eine EU-Reform, die die Bundesrepublik in mehrere Preiszonen aufteilen soll, könnte die Lage verschärfen.

„Jahrzehntelang wurde Luxemburg gut von Deutschland mit Strom beliefert, allerdings mit massivem Einsatz von Kohle. In den vergangenen Jahren ist Deutschland aber aus immer mehr Energien ausgestiegen: aus Atom, Kohle und russischem Erdgas“, fasste René Winkin, Direktor des Industrieverbandes „Fedil“, die komplizierte Lage in der „RTL“-Sendung „Kloertext“ zusammen. Die deutschen Probleme sind auch die von Luxemburg, denn beide Länder bilden einen gemeinsamen Strommarkt.

Auch die Strompreise sind nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine explodiert. Den Luxemburger Unternehmen macht das zu schaffen: Knapp 1.500 Anträge auf staatliche Beihilfen wegen der hohen Energiepreise lagen dem Wirtschaftsministerium im Februar vor, heißt es auf Nachfrage von Reporter.lu. Seitdem sind die Preise an der Strombörse zwar wieder gesunken. Doch mittelfristig sind die Zeiten von billiger und sicherer Stromversorgung vorbei.

Dazu kommt, dass Deutschland mit der Energiewende hadert – vor allem mit dem nötigen Ausbau der Stromnetze. Die erneuerbaren Energien erfordern eine ganz andere Infrastruktur. An der Nord- und der Ostsee erzeugt Deutschland mit Offshore-Windkraftanlagen große Mengen billigen Strom. Doch die großen deutschen Industrieunternehmen sind vor allem in Süddeutschland angesiedelt. Diese Diskrepanz verursacht Kosten, Probleme im Netz und vor allem eine hitzige politische Debatte zwischen Bundesländern.

Hohe Abhängigkeit von deutschem Strom

Eine Preiszone bedeutet für ganz Deutschland plus Luxemburg einen einheitlichen Preis. Die nördlichen Bundesländer klagen seit Langem, dass das für sie höhere Strompreise mit sich bringt, weil sie die Kosten für die Stromnetze mittragen müssen. „Wir fühlten uns wie bei Harry Potter: Über manche Dinge spricht man nicht“, sagte Markus Hirschfeld, Referatsleiter im deutschen Energieministerium, bei den Berliner Energietagen in Schleswig-Holstein. Bundesländer aus Norddeutschland fordern eine Aufteilung der deutsch-luxemburgischen Strompreiszone. Auch die EU prüft eine Reform.

Für Luxemburg besteht das Risiko, sich bei einer Aufteilung in einer teureren Preiszone wiederzufinden.“Creos

Luxemburg steht am Spielfeldrand dieser Debatte und ist doch unmittelbar davon betroffen. Das Großherzogtum bleibt sehr abhängig von Stromimporten. Die nationale Stromproduktion deckt lediglich rund ein Fünftel des Bedarfs ab. Die restliche Menge importierte Luxemburg 2022 zu 60 Prozent aus Deutschland, die anderen 40 Prozent flossen aus Belgien in das Industrie-Stromnetz „Sotel“ …