Der deutsche Steueranwalt Hanno Berger gilt als Cum-Ex-Mastermind. Die Gewinne aus diesen Deals verteilten er und seine Partner via Luxemburger Gesellschaften – mit Ruling und geschützt durch das Steuergeheimnis. Doch dann kam eine Razzia, die alles verändern sollte.

Es ist der 14. Oktober 2014. Knapp 40 Beamte der Luxemburger Kriminalpolizei durchsuchen zeitgleich zwölf Firmenbüros und Privatwohnungen in der Hauptstadt und in Hesperingen. Die Luxemburger Razzia ist nur ein kleiner Teil einer koordinierten Operation in 14 Ländern weltweit. Es geht um mutmaßlichen Steuerbetrug mit Cum-Ex-Geschäften. Fonds, Banken und Firmen in Luxemburg sollen geholfen haben, den deutschen Staat um mehr als 400 Millionen Euro zu betrügen.

Im Landeskriminalamt in Düsseldorf schaut Staatsanwältin Anne Brorhilker gebannt auf eine Anzeigetafel. Darauf verfolgt sie den Fortschritt der Razzien in allen Ländern. So erzählt sie es in der „ARD“-Doku „Der Milliardenraub“. Ein Jahr lang hatte sie mit ihrem Team in Köln an der weltweiten Aktion geplant. Das Ziel: hinter die Kulissen blicken. Verstehen, wie die Beteiligten über Cum-Ex sprachen, wenn sie sich unbeobachtet wähnten.

Die Drahtzieher waren entsetzt, als sie von den Razzien hörten. Die Durchsuchungen seien eine „schöne Scheiße“, fluchte der Steueranwalt Hanno Berger laut der „ARD“-Doku. Er habe sich nicht vorstellen können, dass die Ermittler sogar in Luxemburg auftauchen. Was er nicht wusste: Seine Telefone wurden abgehört.

„Kriminelle Glanzleistung“

Tatsächlich wähnte Hanno Berger seine Geheimnisse in Luxemburg in Sicherheit. Und fast wäre es so geblieben. Doch die Veröffentlichung der „Luxleaks“ knapp drei Wochen nach der Razzia sollte Luxemburg verändern. Die Justiz spielte das Steuerparadies-Spiel da bereits nicht mehr uneingeschränkt mit.

Detaillierte Einblicke in die Hintergründe der Groß-Razzia ermöglichen die „CumEx-Files 2.0“. Die durch das Recherchezentrum CORRECTIV koordinierte Recherche von 15 Medienhäusern weltweit, an der auch Reporter.lu teilgenommen hat, liefert neue Erkenntnisse über die Ausmaße des andauernden Skandals.

Die „Police judiciaire“ – teils in Begleitung von deutschen Ermittlern – arbeitete gründlich: In den Büros der Fondsverwalter, der beteiligten Banken, der Finanzaufsicht CSSF, der Verwahrstelle „Clearstream“ und weiterer Dienstleister wurden Rechnungen, Verträge, E-Mails und Buchhaltungsunterlagen sichergestellt. Die Presseabteilung der Luxemburger Justiz wollte die Vorgänge aus dem Oktober 2014 nicht kommentieren, da es sich um ein laufendes deutsches Verfahren handele.

Was Hanno Berger so nervös machte: In Luxemburg war die Schaltstelle seines Systems. Es war die „Geldverteilungsstelle“, wie es die Kölner Oberstaatsanwältin in der „ARD“-Doku beschreibt. „Das war die Stelle, wo sie die Gelder verteilt haben, die sie nach unserer Auffassung illegal vereinnahmt haben“, erklärt Anne Brorhilker. An der Umsetzung von Bergers System in Luxemburg waren zudem namhafte Akteure des Finanzplatzes beteiligt: KPMG sowie die Kanzleien „Arendt&Medernach“ und „Allen&Overy“ …